Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
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Abſchied von ihnen genommen, und dann ſofort ſeine Reiſe nach den Niederlanden angetreten. Thereſe war alſo jetzt allein, ganz dem Willen und der Gewalt ihres Gemahls dahingegeben! Wie ſie das dachte, durchrieſelte ein Schauder ihre ganze Geſtalt, und mit einem angſtvollen Blick ſchaute ſte umher in dem großen düſtern Zimmer, in welchem ſie ſich befand, und das in ſeiner weiten Ausdehnung nur ſpärlich von den zwölf Wachskerzen erleuchtet ward, die auf den bei⸗ den ſilbernen Armleuchtern da auf dem Tiſch brannten. Dieſes düſtere Zimmer ſollte ihr künftiges Wohnzimmer ſein; ſie war eben, nachdem ſie ihre Reiſetoilette beendet, in daſſelbe eingetreten, und erwartete jetzt den Grafen.

Sie erwartete ihn mit hochklopfendem Herzen, mit athemloſer Bruſt, es ſchien ihr, als leuchteten aus jedem dunklen Winkel dieſes großen Gemachs ihr ſeine zornige Augen entgegen, als tauchte überall aus der Dunkelheit ſein bleiches drohendes Antlitz hervor. Sie fürchtete ſich, und wußte ſelbſt nicht weshalb, ſie wußte nur, daß der einzige Freund, den ſie erſehnte, den ſie freudig willkommen heißen möchte, der Tod war!

Eben öffnete ſich die Seitenthür, und eine dunkle, ganz in einen ſchwarzen Mantel eingehüllte Geſtalt trat ein. Thereſe ſtieß einen Schrei aus und ſank auf einen Seſſel nieder.

Graf, Kinsky beantwortete dieſen Schrei mit einem kurzen höh⸗ niſchen Lachen. Fürchten Sie Sich Madame? fragte er, immer näher zu ihr heranſchreitend, und dann mit übereinander geſchlagenen Armen vor ihr ſtehen bleibend, ſeine düſterflammenden Blicke mit zornigem Ausdruck auf ſie gerichtet.

Thereſe hob langſam ihre Augen zu ihm empor, und ſah ihn ſtolz und ruhig an. Ich fürchte mich nicht, ſagte ſie, auch dann nicht, wenn Sie gekommen ſind, mich zu tödten.

Der Graf lachte laut auf. Ach, Madame, rief er rauh, Sie denken, ich werde es machen, wie der Fürſt Bragation oder der Herzog von Orleans, die Beide ihre ſchönen jungen Frauen erwürgten, weil ſie von ihnen ihre Ehre verletzt glaubten? Beruhigen Sie Sich, Madame, ſolche romantiſche Schreckensgeſchichten gehören dem vorigen Jahrhundert an, in unſerer proſaiſchen und nüchternen Zeit ſucht man

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