Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
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Gott aufblicken, ſte hat weder vor ihrem Vater, noch vor ihrem Ge⸗ mahl, noch dereinſt vor ihren Kindern zu erröthen!

Ew. Majeſtät müſſen ſehr genau und vertraut auf dem Grunde ihres Herzens geleſen haben, um gut ſagen zu können für die Grä⸗ fin, ſagte der Graf mit einem höhniſchen Lächeln.

Der Kaiſer ſah ihn betroffen an. Ah, ſagte er ſchmerzlich, Sie ſind alſo unverſöhnlich. Aber nicht wahr, Sie glauben meinem Ehrenwort?

Der Graf verneigte ſich. Ich werde niemals wagen, an dem Ehrenwort meines Kaiſers zu zweifeln.

Und Sie werden Ihre Gemahlin, deren Ehre rein iſt wie ein Spiegel, der nie von einem Hauch getrübt worden, Sie werden The⸗ reſe wieder lieben, wie Sie ſie geliebt haben?

Die Liebe läßt ſich nicht befehlen, Sire, ich kann mein Lieben und Haſſen nicht wie ein Paar Handſchuhe aus⸗ und anziehen!

Haſſen! rief der Kaiſer entſetzt. Mein Gott, es iſt doch unmög⸗ lich, daß Sie die Frau haſſen, welcher Sie eben vor dem Altar Ihre Treue und Liebe gelobt? Weshalb haben Sie denn der Gräfin Sich vermählt, wenn Sie ſie jetzt, heute haſſen?

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Sire, heute vor acht Tagen befahlen mir Ew. Majeſtät, die Com⸗ teſſe Thereſe von Dietrichſtein an dieſem Tage zu heirathen. Ich habe mich als gehorſamer Unterthan, als dienſtbereiter Edelmann und Cavalier dieſem Befehl nicht entziehen wollen! Ich habe der Com⸗ teſſe Thereſe meine Hand gereicht.

Und Sie werden glücklich durch ſie werden, Graf, ſagte der Kai⸗ ſer trübe. Ihre Liebe wird verzeihen, und Ihre Gemahlin wird Ihren beleidigten Stolz zu heilen wiſſen. Sein Sie milde und ſanft mit ihr, Graf, denn ihr Herz, glaube ich, iſt krank und bedarf einiger

Schonung.

Der Graf verneigte ſich ſchweigend. Wollen mir Ew. Majeſtät erlauben, eine Bitte an Sie zu richten? fragte er dann.

Es wird mich freuen, Ihnen irgend einen Wunſch gewähren zu können! rief der Kaiſer lebhaft. Bitten Sie alſo.

Ich bitte Ew. Majeſtät um die Gnade mir Ihr Ehrenwort zu geben, daß Sie auf eine Frage, die ich mir erlauben will, an Sie zu richten, mir mit der vollen unverkürzten Wahrheit antworten wollen.