Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
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Auch wiederum durch Ihre Schuld, Herr Baron. Sie hat Ihnen einen Eid leiſten müſſen, niemals eine Chriſtin zu werden, und die Geſetze unſerer Kirche verbieten die Che zwiſchen einem Chriſten und einer Jüdin. Sie ſehen, ich bin gut unterrichtet, Günther hielt es für ſeine Pflicht, mir dies Alles zu ſagen, um ſein Betragen vor mir zu rechtfertigen.

Er hat Ew. Majeſtät aber nicht die Wahrheit geſagt, Sire. Meine Tochter iſt es, welche ſich weigert, Chriſtin zu werden.

Sie iſt alſo eine treue und eifrige Jüdin?

Nein, Sire, ſie weigert ſich, den Tempel der Juden zu beſuchen.

Aber was iſt ſie denn? rief der Kaiſer überraſcht.

Sie iſt eine fanatiſche und eifrige Anhängerin der neuen Lehre, welche nur Gott anerkennt, aber keine Kirche. 2

Eine Deiſtin?

Ja, Sire, eine Deiſtin, und weil ich ſie zwingen wollte, dieſer Irrlehre zu entſagen, und entweder eine Jüdin zu bleiben oder eine Chriſtin zu werden, deshalb iſt ſie von mir entflohen und zu jenem Mann gegangen, von welchem ſie nicht glauben wollte, daß er ſie nur liebt, weil ſte eines reichen Mannes Kind iſt.

Sie glauben, daß Günther Ihre Tochter um Ihres Geldes wil⸗ len liebt?

Ich weiß es, Sire. Er ſchlug mir ſchriftlich vor, ihm eine Ab⸗ findungsſumme von hunderttauſend Gulden zu geben, dann wolle er Rahel entſagen und ſie ſelbſt wieder in mein Haus zurückführen. Hier iſt der Brief, wenn Ew. Majeſtät die Gnade haben wollen, ihn zu leſen.

Der Kaiſer nahm haſtig das Papier, welches der Banquier ihm darreichte, und überflog es mit glühenden Blicken. Es iſt ſeine Hand⸗ ſchrift, murmelte er leiſe, und es ſteht wirklich ſo geſchrieben, wie Sie es ſagen. Und Sie lehnten dieſen Vorſchlag ab?

Ich lehnte ihn ab, Sire, ich wollte mir meine Tochter nicht kaufen; freiwillig, wie ſite von mir gegangen, ſollte ſie zu mir zurück⸗ kehren. Ich wartete alſo!—

Und was geſchah weiter? Der Banquier ſchwieg einen Moment und athmete hoch auf,