Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
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Ihnen als meinem getreuen und gehorſamen Unterthan, daß Sie mir dieſe Wahrheit nicht länger vorenthalten, denn großes Leid könnte daraus entſtehen! Es iſt beſſer, Einen Schuldigen kennen, als zehn Unſchuldige in Verdacht haben. Herr Baron, um der zehn Un⸗ ſchuldigen willen, welche mein Verdacht unglücklich machen könnte, nennen Sie mir den Schuldigen, Verdächtigen. Ich frage Sie zum dritten Mal: Wer hat Ihnen mein Staatsgeheimniß verrathen?

Oh, Sire, ich habe geſchworen, murmelte der Banquier ganz zerknirſcht, beim Gott meiner Väter geſchworen, ihn nicht zu ver⸗ rathen.

Ich entbinde Sie Ihres Eides, ich befehle Ihnen zu ſprechen!

Nur Gott kann mich eines Eides entbinden, den mein Mund freiwillig geſprochen hat. Ich kann den Namen nie nennen, nie darf er über meine Lippen kommen, aber Ew. Majeſtät können ihn errathen! Das verbietet mir mein Eid nicht!—

Er ſchwieg einen Moment und blickte gedankenvoll und ſtarr vor ſich hin, und als er dann wieder das Haupt erhob und den Kaiſer anſchauete, waren ſeine Wangen todesbleich und ſeine Lippen bebten, indem er mit leiſer, unſicherer Stimme ſagte: Ew. Majeſtät wiſſen, daß ich eine Tochter hatte?

Hatte? fragte der Kaiſer. Ich denke, Sie haben ſie noch, ſie iſt Ihnen nicht geſtorben?

Sie iſt mir geſtorben, flüſterte der Banquier ſo leiſe, daß der Kaiſer ihn kaum verſtehen konnte. Sie hat mich verlaſſen und iſt zu einem Manne gegangen, den ſie mehr liebte, als ihren Vater!

Sie iſt gegangen, weil Sie ſie an einen Mann verhandeln und verheirathen wollten, den ſie verabſcheuete. Ich weiß das, Gün⸗ ther ſelbſt hat es mir geſagt. Es iſt ſo, nicht wahr?

Es iſt ſo, Sire! Ich ahnte nicht, daß mein unglückliches, irre⸗ geleitetes Kind ſo weit gehen würde in ihrem Trotz gegen ihren Va⸗ ter. Hätte ſie mich gebeten, wie es einem Kinde geziemt, ſo würde ich nachgegeben haben, aber ihr Geliebter hatte das Herz meines Kindes von mir abwendig gemacht, und ſo verließ ſie mich, um zu ihm zu gehen, der jetzt Schande und Schmach auf mich häuft, denn meine Rahel, der Stern meines Lebens, iſt nicht ſein rechtmäßiges Weib, ſondern ſeine Maitreſſe!

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