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tiſch, von welchem er einen geöffneten Brief nahm, und ihn dem Banquier darreichte.
Haben Sie das geſchrieben? fragte der Kaiſer.
Herr Eskeles ließ ſeine Blicke langſam über das Papier hinglei⸗ ten und richtete ſie dann wieder feſt auf den Kaiſer. Ja, ſagte er, ich habe das geſchrieben. Es iſt ein Brief an meinen Handelsfreund in Amſterdam. Ich gab den Brief geſtern auf die Poſt, nach meiner Berechnung mußte derſelbe geſtern Abend noch abgegangen ſein, und ſtatt deſſen finde ich ihn heute noch hier? Das wird meinen Con⸗ juncturen einen empfindlichen Rückſchlag geben!
Er ſagte das mit dem ſtillen ernſten⸗ Nachſinnen eines Kauf⸗ manns, der nichts weiter im Auge hat, als ſeine Bücher und Con⸗ juncturen, und gar hiht ahnt, daß es auch noch andere Intereſſen
geben könne./ C&
Ja, der Brief iſt noch hier, ſagte Joſeph, die geheim] Po igei hataen
ihn mir ausgeliefert.
Jetzt drückten die Züge des Banquiers ein unverholenes Staunen aus. Ah, ſagte er, leiſe ſein Haupt ſchüttelnd, wir haben alſo wirk⸗ lich eine geheime Polizei, und was man ſich vom Chiffre⸗Cabinet und dem Oeffnen der Briefe erzählt, iſt alſo wirklich kein Mährchen?*)
*) Das„Chiffre⸗Cabinet“ hatte ſeine Bureaux ſelbſt in der Kaiſerburg in der ſogenannten„Stallburg.“ Hier wurdeu von franzöſiſchen und neapolitaniſchen Adep⸗ ten alle die diplomatiſchen Actenſtücke aufgelöſt, die in Chiffren geſchrieben, an fremde Geſandten gerichtet, und unterwegs von den beſtochenen Courieren an die Mauth⸗ häuschen, die überall an der Oeſterreichiſchen Grenze auf den Courierſtationen angebracht waren, abgeliefert worden. In den Mauthhaͤuschen wohnten Beamte des Wiener Chiffre⸗Cabinets. Sie empfingen von den beſtochenen Courieren die erwarteten Felleiſen mit Depeſchen, fuhren ſogleich mit ihnen weiter, aber während des Fahrens und auf den kurzen Ruheſtationen dechiffrirten und copirten ſie die Depeſchen. Auf dem Mauthhäuschen bei der letzten Poſtſtation vor Wien ward das Felleiſen wieder verſchloſſen, und dem Courier wieder eingehändigt. Drei Stunden ſpäter befand es ſich alsdann in den Händen der betreffenden Ge⸗ ſandten, aber zur ſelben Zeit laſen Joſeph und Kaunitz ſchon die Abſchriften dieſer Depeſchen.— Das Chiffre⸗Cabinet in Wien war das Central⸗Bureau dieſer „Mauthhäuschen,“ aber auch der geheimen Polizei und der Poſt, welche die Briefe an das Chiffre⸗Cabinet abgab, deſſen Beamte ſie prüfen, die intereſſanten
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Abend Verbi


