Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
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und ſtrafen zu müſſen, mußte Joſeph erſt Alles verſucht haben, um Günther zu rechtfertigen und zu entſchuldigen.

Deshalb hatte er ſofort nach dem Baron Eskeles Flies geſandt, und den Banquier aufgefordert, ſogleich zu ihm zu kommen. In der Ungeduld ſeines Herzens hatte es ihm nicht genügt, einen gewöhn⸗ lichen Kammerhuſaren abzuſenden, ſondern ein Courier hatte nach dem Höôtel des jüdiſchen Barons eilen müſſen, und damit nichts ihn am ſchnellen Kommen hindern könne, hatte der Kaiſer ſeine eigene Equipage dem Courier nachgeſandt, daß Herr Eskeles Flies in der⸗ ſelben zum Kaiſer fahre.

Mit hochklopfendem Herzen erwartete der Kaiſer jetzt die Ankunft des Wagens, ſo oft er in ſeinem raſchen Auf⸗ und Niederwandeln an das Fenſter kam, blieb er ſtehen und lauſchte, und warf dann wieder einen raſchen Blick Nnüber nach der Uhr, um ſich zu überzeugen, ob der Banquier bald kommen werde.

Wenn es wahr iſt, murmelte der Kaiſer leiſe vor ſich hin, indem er jetzt wieder vom Fenſter zurücktrat, und ſein heftiges Auf⸗ und Niederwandeln wieder begann, wenn Günther wirklich mich ſo ver⸗ rathen und hintergehen konnte, dann iſt es vorbei mit meinem Glau⸗ ben an die Menſchheit, vorbei mit meinem Glauben an Treue, Edel⸗ muth, Wahrheit und Uneigennützigkeit! Ich habe ihn wahrhaft ge⸗ liebt, ich habe dem Adel geglaubt, der aus ſeinen Zügen ſprach, und der Seele vertraut, die aus ſeinen Augen mir entgegen leuchtete! und dies Alles ſollte jetzt eine Lüge ſein, eine große fürchterliche Lüge, welche nicht bloß den Kaiſer, ſondern auch den Menſchen in mir tödtlich verletzt? Günther, der edle, uneigennützige Günther, den ich für unbeſtechlich hielt, der ſollte jetzt um elenden Geldes willen ſeinen beſchwornen Eid gebrochen, meine Geheimniſſe verrathen haben? Ich kann's nicht glauben, und ich will's nicht glauben! Günther iſt unſchuldig! Ich will ihn ſelber fragen, ich will ihm ſelber die ganze Sache vorlegen, und er ſoll ſich rechtfertigen!

Und von dieſem großmüthigen Entſchluß fortgeriſſen, näherte ſich der Kaiſer ſchon der Thür, um Günther rufen zu laſſen. Aber mit⸗ ten auf ſeinem Wege blieb er ſtehen, und der heitere und freudige Ausdruck, welcher einen Moment ſein Antlitz erhellt hatte, verſchwand

wieder aus demſelben.

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