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Sie hatte nur noch nöthig, die Juwelen aus dem verborgenen Wandſchrank zu nehmen, und dies war eine leichte Sache. Es ge⸗ hörte nur ein wenig Muth dazu, in der Nacht durch die Hinterpforte in den Garten, und von dort in das Haus zu ſchleichen, nur ein wenig Muth, durch jene kleine Seitenthür hineinzuſchlüpfen in das öde ſtille Haus, in welchem Niemand ſie erwartete, Niemand ſie will⸗ kommen hieß. Ihre Diener alle waren entlaſſen, das Gericht hatte dies Haus verſchloſſen, denn da Alles, was die Gräfin be⸗ ſaß, ihr von dem Grafen Podſtadzky gekommen, ſo gehörte dies Alles jetzt ſeinen Gläubigern und ſollte verkauft werden zu ihrem Vortheil.
Arabella hatte Muth, Alles zu wagen, und ſie beſaß die Schlüſ⸗ ſel zu der Gartenpforte wie zu der Seitenthür des Hauſes!
Es war eine finſtere Nacht, die Laternen, welche hier und da die verödeten Straßen erleuchteten, warfen nur noch einen ſpärlichen Schein, denn da Wien ſchlafen gegangen, war auch die Zeit ihres Erlöſchens bald gekommen. Selten nur ließ ſich noch irgend eines verſpäteten Wanderers hallender Schritt vernehmen, und nur von Zeit zu Zeit hörte man den gleichmäßigen, taktirenden Schritt der Patrouillen, die alle Stunde den Umgang durch die Straßen hielten.
Eine dieſer Patrouillen hatte eben die ſchmale kleine Gaſſe paſ⸗ ſirt, an deren einer Seite ſich die Mauer des Gartens befand, wel⸗ cher zum Hötel der Gräfin Baillou gehörte. In der Ferne verhallten die Schritte der Soldaten, dann ward Alles ſtill. Die einzige La⸗ terne, welche in dieſer kleinen Gaſſe brannte, warf ihren letzten ver⸗ löſchenden Schein über dieſelbe hin.
In dieſem Augenblick ſchlüpfte eine ſchwarze dicht verhüllte Ge⸗ ſtalt hinter einem der Pfeiler der Gartenmauer hervor, und glitt leiſe an der Mauer hin bis zu dieſer kleinen Thür da am Ende der⸗ ſelben.
Jetzt raſſelte der Schlüſſel im Schloß, jetzt knarrte die Thür und drehte ſich in ihren Angeln, die ſchwarze Geſtalt ſchlüpfte hinein und zog die Thür hinter ſich zu.
Alles ward wieder ſtill in der kleinen Gaſſe. Die ſchwarze Ge⸗ ſtalt legte horchend ihr Ohr an die Pforte, kein Laut ließ ſich ver⸗
nehmen.


