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wie Sie als Kaiſer handeln mußten, denn der Kaiſer darf das Geſetz nicht beugen und nicht drehen, und erhaben muß er ſein über allen Parteien. Hätte ich ſelber auf dem Richterſtuhl geſeſſen, ich würde auch das Schuldig geſprochen haben über dieſen Verbrecher, der einſt mein Sohn war, und jetzt der Mörder ſeiner Mutter geworden iſt. Ich habe ihn ſchon vor Jahren verurtheilt und zu Gericht geſeſſen über dem Verbrecher, und als ich das that, ſtarb mir mein einziger Sohn, und ich ſcharrte ihn ein in meinem Herzen, und ward ein alter Stamm ohne friſche Aeſte und Keime; das Verbrechen hatte ſie alle abgehauen und ließ mich verdorren. Der Verbrecher, der heut ſeine Strafe gelitten, iſt nicht mein Sohn, und ich kenne ihn nicht mehr!
Und Ihre Ehre iſt ungetrübt geblieben von dem, was er gethan, rief der Kaiſer. Ich habe den Verbrecher ſtrafen müſſen, wie er es verdient, erlauben Sie mir jetzt, den Edelmann zu ehren, wie er es verdient! Geben Sie mir Ihren Arm, Herr Graf, und erlauben Sie mir, Sie zum Wagen zu geleiten. Es iſt heute ein ſchöner Tag. Wir wollen hinaus fahren nach Schönbrunn und dort diniren. Sie müſſen es Sich ſchon gefallen laſſen, daß ich Ihnen heute Geſellſchaft leiſte für den ganzen Tag. Kommen Sie, Herr Graf Podſtadzky Liechtenſtein. Geben Sie mir Ihren Arm.
Ich weiß nicht, Sire, flüſterte der Graf zögernd, indem er einen ſcheuen, ängſtlichen Blick nach den Fenſtern warf, der Tag iſt ſo hell und die Sonne ſcheint ſo fürchterlich glänzend; ich glaube, meine Augen ſind krank und können das Licht nicht vertragen! Ich möchte Euer Majeſtät bitten, mir gnädigſt zu geſtatten, daß ich hier bleibe.
Der Kaiſer ſchüttelte leiſe ſein Haupt. Ihre Augen ſind nicht krank, und ſie können das Licht vertragen, und können frei und ſtolz umher ſchauen, und haben den hellen Tag nicht zu ſcheuen und den Glanz der Sonne, die Ihr ehrwürdiges, edles Haupt beſcheinen ſoll. Richten Sie Sich auf, mein Freund, und gedenken Sie deſſen, was wir geſprochen! Haben wir nicht Beide ein Princip zu vertreten, das Princip der Ehre und der Gerechtigkeit? Und müſſen wir nicht Beide hingehen, es zu erſullen?
Kaiſer Joſeph. 3. Abth. IV.


