Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

Der Kaiſer! rief er überraſcht und ſtaunend.

Ja, Herr Graf Podſtadzky, ich bin es, ſagte Joſeph, und er neigte ſich ſo tief und ehrfurchtsvoll vor ihm, wie er es oft vor mächtigen Fürſten und Herren nicht gethan. Ich komme zu Ihnen, den ich liebe und ehre, um Ihnen mein Beileid zu bezeugen, und Ihnen zu ſagen, wie tief ich Sie beklage wegen des großen Ver⸗ luſtes, den Sie erlitten haben. Ich weiß aus Erfahrung, was das heißt, eine Gemahlin, welche man liebt, zu Grabe zu tragen! Und Ihre Gemahlin war eine ſo edle Frau, eine ſo zärtliche Gattin!

Zärtliche Gattin! wiederholte der alte Graf, leiſe ſein Haupt ſchüttelnd. Nein, ſie liebte noch etwas Anderes außer mir und daran ſtarb ſie. Ich, ich liebte nichts als ſie allein, und außer ihr noch meine Ehre und meinen Namen. Ich hatte nichts zu lieben, als mein Weib, ſie war meine Familie, mein Alles, und mir graut vor der Einſamkeit, die mich jetzt umgiebt. Ich würde dieſer Qual ein Ende machen, ich würde ſterben, aber ich darf es nicht, denn ich habe ein Princip zu vertreten, das Princip der Ehre und des Namens.

Wir Beide haben ein heiliges Princip zu vertreten, ſagte der Kaiſer, tiefbewegt in das ſtille, ſchwermüthige Antlitz des Greiſes ſchauend. Das Princip der Chre und der Gerechtigkeit, Herr Graf! Helfen wir uns Beide darin, beweiſen wir der Welt, daß die Gerech⸗ tigkeit nur die Perſon, niemals die Ehre der Familie und des Na⸗ mens antaſtet, und daß die Ehre der Familie doch die Gerechtigkeit walten laſſen muß! Der Name Podſtadzky Liechtenſtein iſt ein ur⸗ alter, ehrenvoller, und daß ich das weiß und anerkenne, möchte ich Ihnen beweiſen. Geben Sie mir die Hand, Herr Graf, ſeien wir gute Freunde!

Er reichte dem Grafen ſeine Rechte dar und ſchaute ihn an mit einem langen, innigen Blick.

Der Graf legte mit einer langſamen, feierlichen Ruhe ſeine Hand in die des Kaiſers und ſah ihn ſtarr an, wie gebannt von dieſem Blick.

Ich verſtehe Ew. Majeſtät und ich danke Ihnen, ſagte der Graf nach einer langen Pauſe. Sie handeln großmüthig und edel, Sire, und ich werde Ihnen dies nie vergeſſen, und Ihr Name wird auf meinen Lippen ſein, ſelbſt wenn ich ſterbe. Sie haben gehandelt,