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Armer junger Herr! murmelten die Frauen.
Er wird's nicht lange überleben, ſagten die Männer mitleidsvoll. Er ſieht aus wie ein Todter, ſte werden ihn bald neben ſeiner Mutter begraben können!
Niemand erinnerte ſich in dieſem Moment daran, daß dieſer todesbleiche Menſch da oben an dem Schandpfahl, ein ſchmachvolles Verbrechen begangen habe, Niemand dankte es dem Kaiſer, daß er den gräflichen Verbrecher dem gemeinem Verbrecher gleichgeſtellt, daß der Kaiſer ohne Anſehen der Perſon das Verbrechen ſtrafte, und ſeinem Volk als höchſtes Geſchenk die Gleichheit vor dem Geſetz ge⸗ geben hatte.
Niemand dankte es dem Kaiſer, und ſelbſt der gemeine Mann murrte, als er den Grafen behandelt ſah, wie einen aus ihrer Mitte.
Bis jetzt war der Graf noch in ſeinen eleganten Kleidern, es war noch durchaus der vornehme, elegante Cavalier, welcher da oben auf dem Gerüſt ſtand, gelehnt an den Pfahl, an deſſen oberer Spitze eine ſchwarze Tafel angebracht war, auf welcher der Name, das begangene Verbrechen und das Urtheil des Kaiſers und Gerichts aufgezeichnet war. Aber jetzt näherte ſich ihm der Henker, der bis⸗ her auf den Stufen des Gerüſtes geſtanden, mit ſeiner fürchter⸗ lichen Scheere, jetzt faßte er mit ſeinen rauhen Händen das ſchöne braune, leichtgepuderte Haar des Grafen, und ſchnitt es mit der knir⸗ ſchenden Scheere ganz dicht an ſeinem Haupte fort, daß kaum noch ungleiche borſtige Stoppeln übrig blieben von dem ſchönen, duftigen, ſorgfältig gepflegten Haar..
Dann, als dies vollbracht war, riß der Henker, welcher heute, ſtatt der Kammerdiener früherer Tage, die Toilette des Grafen zu beſorgen hatte, dem Grafen das ſchöne goldgeſtickte Gewand von den Schultern, und zog ihm den braunen Sträflingskittel über.
Wie verändert jetzt die Geſtalt war, wie wenig dieſer bleiche, ſchlotternde Menſch, mit dem kahl geſchornen Haupt, dem groben braunen Kittel, dem Grafen glich, der er noch vor wenigen Minuten geweſen!
Jetzt war er nur noch ein gemeiner Verbrecher, ein Verbrecher, der keinen andern Namen mehr führte, als die Nummer, welche da mit rothem Wollenfaden auf den linken Aermel ſeines Kittels ge⸗ näht war. 1


