Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
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ſte; es war ein ſchweigendes, ſcheues Wallfahrten nach der neuen Zeit, welche da auf dem Pranger ihr oft bezweifeltes Daſein ver⸗ künden wollte.

Schweigend, ängſtlich faſt zögernd wogten die Maſſen des Volks dem Kohlmarkt zu. Ja, es war kein Traum! Dort in der Mitte des Platzes, dort erhob ſich der fürchterliche Thron der Schmach und Entehrung, auf welchem ein Graf heute Abſchied nehmen ſollte von ſeiner Ehre, ſeiner Familie, ſeinem Namen, Abſchied von allen Genüſſen des Lebens, an welche er ſeit ſeiner Kindheit gewöhnt, Abſchied auch von der Gemeinſchaft mit denkenden, fühlenden, geiſtig belebten Menſchen, die bisher ſeine Gefährten geweſen und an deren Stelle er jetzt nur die Gemeinſchaft roher Verbrecher ohne Gefühl, ohne Gedanken, ohne einen Funken des göttlichen Geiſtes haben ſollte.

Entſetzt und ſchreckensbleich waren Aller Geſichter, kein Lachen, kein Schreien ward gehört, nur leiſe flüſterte man untereinander, der Graf Podſtadzky ſei der einzige Sohn ſeiner Aeltern, und die Gräfin, ſeine Mutter, ſei geſtorben vor Gram über das Schickſal ihres Sohnes, und ſei geſtern begraben worden. Und wie die Frauen das hörten, füllten ſich ihre Augen mit Thränen, und um der geſtorbenen Mutter willen empfanden ſie Mitleid mit dem Sohn, und verziehen ihm ſein Ver⸗ brechen, das ſeiner Mutter das Leben gekoſtet, und das er ſelber ſo furchtbar hart büßen ſollte. Und das Weinen der Frauen machte die Männer nur noch ernſter und düſterer, und heimlich in ihrem Herzen begannen ſie zu murren über den grauſamen Kaiſer, der einen Grafen züchtige, wie einen gemeinen Mann, und ſchuld ſei, daß eine Gräfin vor Gram um ihren Sohn geſtorben ſei!

Auf einmal ward das Gewoge der Maſſen, die da auf dem großen Platz verſammelt waren, lauter und unruhiger, einen Moment hörte man ein Schreien und Heulen und Murmeln, wie wenn das Meer mit ſeiner Fluth gegen das Ufer ſchlägt. Dann wieder ward Alles ſtill, ſo ſtill, daß man jedes geſprochene Wort weit über den Platz würde vernommen haben. Aber Niemand ſprach, Aller Augen waren hinüber gerichtet nach dem Gerüſt.

Und jetzt erſchien auf demſelben ein todesbleicher Menſch. Sein Blick war gebrochen, ſeine Lippen zitterten und flogen wie im Fieber⸗ froſt, ein convulſtviſches Zucken durchfuhr ſeine ganze Geſtalt.