14
Aber die Toilette war noch nicht beendet! Der fürchterliche Kammerdiener des Grafen hatte ihm jetzt noch ſeinen Schmuck an⸗ zulegen. Den Schmuck der ſchweren eiſernen Ketten, die Fuß und Hand verbinden und einen Menſchen in ein elendes gefeſſeltes wildes Thier verwandeln ſollten! Jetzt klirrte die Kette an Hand und Fuß.
Der Henker blickte erſtaunt ſich um nach dem Volk. Sonſt hatte es oft laut gejubelt und gehöhnt und gelacht bei ſolchem Schauſpiel, laut applaudirt, wenn die Prangertoilette vollendet geweſen. Heute blieb Alles ſtill! Kein Lachen, kein Schreien und Höhnen, nur bleiche Geſichter, ſcheue angſtvolle Mienen, und Gemurmel der Theilnahme rings umher.
Jetzt der letzte, der fürchterliche Moment! Das neue Leben ſoll beginnen, der Kampf mit der Unehre, der Schmach, der Erniedrigung und der Verzweiflung ſoll jetzt gekämpft werden! Der Henker reicht dem neucreirten Sträfling dazu den Marſchallsſtab ſeiner Schande und Entehrung, er reicht ihm den Beſen dar, und drückt ihn feſt in ſeine Hand.
Ein Schauer des Entſetzens lief durch die Menge, eine athem⸗ loſe Stille trat ein, Jeder ſchaute mit tiefem Mitgefühl auf dieſen bleichen Menſchen, der da oben ſtand, mit ſchlotternden Knieen, in entſtellender Tracht, das geſchorne Haupt auf die Bruſt geſenkt, mit beiden Händen krampfthaft den Stiel ſeines Beſens haltend, und ſich ſtützend auf ihn, um nicht umzuſinken!.
In dieſem Moment vernahm man ein lautes gellendes Lachen, das wie das unheilsvolle Gekrächze der Raben weit über den Platz hintönte; und lauſchend und in ſich erſchauernd blickten Alle empor, denn wie aus der Luſt war es erklungen dieſes Lachen, hoch über allen Häuptern.
Und jetzt ließ es ſich noch einmal vernehmen, noch lauter, noch wilder und übermüthiger.
Der bleiche Menſch da oben auf dem Gerüſt ſchauderte in ſich zuſammen, ſeine glanzloſen Augen wandten ſich ſeitwärts nach jenem⸗ Hauſe hin, von woher ihm das Lachen ertönt war.
Da oben am weit geöffneten Fenſter, in der Mitte von einigen ſchwarz gekleideten Herrn, ſtand eine junge, ſchöne Frau mit lächeln⸗ dem Angeſicht, mit glänzenden Augen.


