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Es iſt alſo Alles umſonſt, flüſterte der Graf Lampredo nach langem Schweigen. Zwei Männer von edlem Stamm werden geſtraft werden, wie gemeine Verbrecher; der Adel wird dieſe grauenvolle
Schmach erleiden müſſen!
Aber der Adel wird eines Tages ſich rächen für dieſe Schmach, die ihn der Kaiſer erdulden läßt! flüſterte der ungariſche Graf Hojada, ein naher Verwandter des Herrn von Szekuly. Jeder Fürſt iſt ver⸗ loren, wenn er den Adel ſeines Landes wider ſich hat. Und der Kaiſer hat heute die Sympathieen ſeines Adels für immer verſcherzt. Der Kaiſer wird einſt dieſer Stunde gedenken, und er wird ſie bereuen.
Ja, er ſoll ihrer gedenken, flüſterte Graf Lampredo mit einem zornflammenden Blick nach der Thür hin, er ſoll ſie bereuen! Wir werden Alle dafür ſorgen, nicht wahr?
Ja, wir werden Alle dafür ſorgen, flüſterten ſie untereinander. Der Kaiſer ſoll dieſe Stunde bereuen!
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II. f Der Graf am Pranger.
Am andern Tage ſtand das Volk überall in großen Trupps an den Straßenecken und las die großen Anſchlagszettel, welche da an⸗ geklebt waren. Dieſe Anſchlagszettel verkündeten dem Volk, daß der Kaiſer die beiden hochadligen Verbrecher zu den Strafen verurtheilt hatte, welche das Geſetz ihnen zuerkannte.
Der Graf von Podſtadzky⸗Liechtenſtein war zu zehnjährigem Zucht⸗ haus, zum öffentlichen Gaſſenkehren und zum Pranger verurtheilt. Der Obriſtlieutnant von Szekuly war zu dreitägigem öffentlichem Prangerſtehen und zu vierjährigem Zuchthaus verurtheilt.
Die Gräfin Balllou, welche das kaiſerliche Hofgericht zu ein— jährigem Gefängniß verurtheilt hatte, war vom Kaiſer begnadigt


