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Abhülfe un Erbarmen anrufen wollen. Die Bittſſchrift liegt nicht in unſern Händen, ſondern auf unſern Lippen!
Und worin beſteht ſie? Was kommen Sie Alle gemeinſchaftlich von mir zu erbitten?
Sire, rief Graf Lampredo laut und feierlich, Sire, wir flehen um Gnade für den Grafen Podſtadzky und den Obriſt⸗Lieutenant von Szekuly!
Gnade für en Grafen Podſtadzky und den Obriſt⸗Lieutenant von Szekuly, riefen Alle wie aus Einem Munde, und Alle beugten ſie ihre Kniee, und hoben ihre Hände flehend zu dem Kaiſer empor.
Joſeph ſchaute mit finſtern Blicken, mit zornigen Mienen nieder auf die Knieenden. Stehen Sie auf, ſagte er düſter. Wiſſen Sio nicht, daß ich das Kniebeugen unterſagt habe? Im Controlorgang ſind die ſpaniſchen Sitten ſchlecht angewandt, die einſt in den Sälen der Kaiſer⸗ burg ſo gern geſehen wurden! Im Controlorgang giebt es auch keinen Unterſchied der Stände, Jeder hat da draußen ſeinen Namen und Titel abgelegt, und iſt nichts als ein Bittſteller, welcher kommt, bei ſeinem Kaiſer um Gerechtigkeit zu flehen!
Und um Gnade, re, ſagte Graf Lampredo ernſt.
Um Gnade, die ich nur gewähren kann, wenn ſie ſich mit der Gerechtigkeit verträgt. Ueberlegen Sie Sich das wohl, und nun, da ſie die lebendige Bittſchrift dieſer Herren und Damen zu ſein ſcheinen, frage ich Sie noch einmal, Herr Graf Lampredo, was wollen Sie von mir erbitten?
Sire, Gnade für Podſtadzky und Szekuly!
Gnade für Podſtadzky und Szekuly! riefen Alle dem Grafen nach.
Sie fordern nur Gnade, nicht Gerechtigkeit, ſagte der Kaiſer düſter, und doch habe ich Ihnen geſagt, daß ich die eine nicht ohne die andere gewähren kann! Wiſſen Sie, weſſen die beiden Männer, für welche Sie Gnade erflehen wollen, angeklagt, welcher Verbrechen ſie überführt ſind? Der Graf Podſtadzky hat für eine Million falſche Bankozettel fabricirt, und dadurch Tauſende von armen Menſchen ruinirt, welche ihm glaubten, und im Vertrauen auf ſeine falſchen Bankozettel ihm ihre Waaren gaben; der Obriſt von Szekuly hat die Kaſſe ſeines Regiments um ſechszigtauſend Gulden beſtohlen, und
dadurch nicht allein den Staat betrogen, ſondern auch den ganzen Stand, welchem er angehört, beſchimpft und entehrt!
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