Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

geſuche, dieſe Vorſtellungen nur mit den lakoniſchen Worten! das Geſetz allein hat zu entſcheiden! Ich kann das Geſetz nicht beugen!

Aber man wußte doch, daß er die Urtheile noch nicht unterzeich⸗ net hatte, und alſo konnte man noch immer hoffen, des Kaiſers Sinn zu wenden, und ihn zur Gnade zu bewegen.

Indeß, wie ſollte man zum Kaiſer gelangen? die Hinterthüren und Hintertreppen, die Protectionen der Beichtväter und Kammer⸗ frauen waren mit Maria Thereſia geſtorben, und auf dem gewöhn⸗ lichen Wege konnte man jetzt keine Audienz erlangen, und den Kai⸗ ſer nicht ſprechen, denn ſeit einigen Tagen, ſeit das Urtheil des Hof⸗ gerichts bekannt geworden, hatte der Kaiſer alle Audienzen verweigert, gar keine Beſuche empfangen, und um dem Adel jede Möglichkeit, ſich ihm zu nähern, abzuſchneiden, hatte der Kaiſer ſelbſt ſeine ge⸗ wöhnlichen Spazierritte und Promenaden im Augarten aufgegeben, und fuhr nun in ſeinem offenen Cabriolet, welches er ſelbſt leitete, ſpazieren!

Aber es gab doch noch Ein Mittel, um den Kaiſer zu ſprechen, noch Eine Thür, durch welche man zu ihm gelangen konnte!

Das war die Thür des Controlorganges, und der Controlor⸗ gang war das Mittel, um den Kaiſer zu ſprechen!

In der Frühe des Morgens ſah man daher heute die Damen und Herren der Ariſtocratie ſich nach der Kaiſerburg begeben. Sie kamen zu Fuß, damit der Kaiſer nicht, aufmerkſam gemacht durch die vielen vor dem Schloß anhaltenden Equipagen, vielleicht heute ſeinen Beſuch des Controlorganges aufgeben möchte, ſie kamen zu ſo früher Morgenſtunde, weil ſie die Erſten ſein wollten in dem Vorſaal zum Controlorgang, die Nächſten an der Thür, um, ſobald dieſe ſich öffnete, einzutreten, und in dem Controlorgang unter ſich, unter Seinesgleichen zu ſein, es zu vermeiden, daß nicht vielleicht irgend Einer aus dem gemeinen Volk neben dem hochgebornen Grafen ſtehen und zuhören möchte, wie der Graf auch ſich demüthigen mußte zur Bitte, und zum Flehen um Gnade!

In einer geſchloſſenen Phalanx ſtanden ſie vor der Thür die Grafen und Gräfinnen, die Barone und Baroninnen, in düſterm Schweigen des Momentes harrend, bis die große Wanduhr des Vor⸗ ſaals die neunte Stunde anſchlagen würde! Und endlich kam dieſer