Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

92

Aufmerkſamkeit hatte man ſich in letzter Zeit immer beeilt ihn ein⸗ zuladen, wenn man wußte, daß auch die Gräfin Baillou in der Geſell⸗ ſchaft gegenwärtig ſein würde; denn Jedermann wußte, daß der Greis mit dem feurigen Herzen und der leidenſchaftlichen Liebe eines Jünglings dieſe Frau anbete, welche durch ihre Schönheit und Liebenswürd dig⸗ keit ſich ſo ſchnell eine Stellung in der Wiener Geſellſchaft erobert hatte.

Und jetzt waren ſie Beüte verſchwunden, jetzt ſah man die Gräfin Baillou nicht in ihrem Hotel, deſſen Fenſter und Thü ken verhangen und verſchloſſen waren, jetzt fehlte der Obriſtlieutenant der Garde, Herr von Szekulg, ſowohl in den Salons als auf der Parade

Wo waren ſie. Peidde Waren ſie zuſammer fortgegangen, oder

war es nur zufällig, 9, ddß Ff faſt zu gleicher Zi verſchapunden waren?

he St

Konnte ihnen nicht ein Unglück begegnet ſein der hatte die Gräfin nun des Obriſten glühender Liebe Erhörun nkt, und hatte ſich mit ihm zurückgezogen in irgend ein ſtilles 7 wo Beide nur ihrer

Liebe und ihrem Glück leben wollten?

Und während man noch ſo fragte und forſchte, verbreitete ſich plötzlich die ſchreckensvolle Nachricht: der Obriſtlieutenant von Szekuly ſei wenige Tage nach der Verhaftung des Grafen Podſtadzky Liechten⸗ ſtein verhaftet und dieſe beiden Verhaftungen ſtänden im innigſten Zuſammenhang mit einander. Jedermann wußte indeß, daß der Graf Podſtadzky der Fälſchung von Bankozetteln angeklagt ſei, aber Niemand glaubte an die Möglichkeit, daß der Obriſtlieutenant von Szekuly, den Jedermann achtete, deſſen ſtolzer und biederer Charakter Jeder⸗ mann bekannt war, daß en der Mitſchuldige des Grafen ſein könne.

Aber endlich erfuhr ian die Urſache ſeiner Werhaffumge Der Obriſtlieutenant von Szekuly war angeklagt, aus der Kaſſe ſeines Regiments, die ihm anvertraut. war, die Summe von ſechszigtauſend Gulden entwendet zu haben!

Die Gräfin Baillou, deren 1 man gleichzeitig erfuhr, hatte ihn dieſes Verbrechens angeklagt. Sie war beſchuldigt, Theil gehabt zu haben an den Betrügereien des Grafen Podſtadzky, aber dieſer ſowohl, als Szekulg atten dies beharrlich geleugnet. Nur das hatten ſie Beide eingeſtanden, daß ſie ſich in dem innigſten Liebes⸗ verhältniß mit ihr befunden, und daß der Haushalt der Gräfin von