Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Ew. Heiligkeit gehen zu weit in Ihrem apoſtoliſchen Eifer, ſagte Joſeph nach einer Pauſe. Ich will Ihnen nicht Texte der heiligen Schrift und der Kirchenväter anführen, denn dieſe können bekanntlich auf ſehr verſchiedene Art ausgelegt werden, ich will Ew. Heiligkeit nur dies ſagen, daß ich trotz Ihres Zürnens in meinem Innern eine Stimme höre, welche mir zuruft, daß es mir als dem Geſetzgeber und Beſchützer der Religion ſo und nicht anders zu handeln gezieme. Dieſe Stimme, vereint mit dem Beiſtand von Oben und meinem graden, biedern Sinn kann mich nicht irre führen!*) Aber ich bitte Ew. Heiligkeit zu glauben, daß ich mit kindlicher Ehrfurcht und Liebe Ihnen zugethan bin, und daß ich ſtets freudig und bereitwillig auf die Wünſche Ew. Heiligkeit eingehen werde, wenn dieſe nicht meinen Regierungspflichten geradezu entgegengeſetzt ſind. Es kann ſein, daß Ew. Heiligkeit nicht das erreicht haben, was Sie von dieſer Reiſe erhofften, aber die Ueberzeugung werden Sie wenigſtens mit zurück⸗ nehmen, daß ich ein ehrlicher Mann und nicht wahr? daß ich nicht ſo freigeiſtig und verderbt bin, als meine Feinde es Sie glauben laſſen wollten. Denn ich frage Ew. Heiligkeit, ob Sie in irgend einer meiner Verordnungen nur eine einzige Stelle gefunden haben, welche die Glaubenslehre angeht, ob Ew. Heiligkeit nicht vielmehr Selbſt geſtehen müſſen, daß meine Verordnungen alle nicht die Reli gion, ſondern nur die Kirchenzucht anbetreffen?

Ja, ſagte Pius nach kurzem Sinnen, ja, ich muß es bekennen, daß es ſo iſt!

Nun denn, rief der Kaiſer lächelnd, ſo bin ich doch nicht ein Ketzer, wie man in Rom behauptet.**) Man hat uns Beide über einander getäuſcht, und deshalb iſt es immer ein unverlierbarer Ge⸗ winn, daß wir uns kennen, lieben und achten gelernt haben. Wir werden, ſo hoffe ich, hinfort immer doch Freunde ſein, wenn wir auch verhindert ſind, wie Freunde an einander zu handeln. Die einander feindlich gegenüberſtehenden Principien des weltlichen Staats und der

kam dieſe Aeußerung ſehr komiſch vor, der Papſt aber meinte ſie ganz ernſthaft und ohne alle Ironie. Siehe Groß⸗Hoffinger III, S. 58 und 53.

*) Des Kaiſers cigene Worte. Siehe Hübner I. S. 287.

**) Groß⸗Hoffinger III, S. 42.

Kaiſer Joſeph. 3. Abth. III.