Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Menſchen das zu geben, was nicht Dein iſt? Und wenn Du ſageſt, Du wolleſt das geben, was Gott gehört, ſo wirfſt Du Dich Selber zum Gott auf! Welcher mit Menſchenverſtand begabte Mann wird dieſes Weisheit nennen und nicht vielmehr eine Uebertretung, den äußerſten Ungehorſam und ſchändliche Ungerechtigkeit? Wie kann einer ſich einen Chriſten heißen, der die unſerm Gott und dem himm⸗ liſchen Chriſtus geheiligten Sachen entweiht? Alſo hat Gott ge⸗ ſprochen, und ich kann ſeine Worte nicht verwerfen, ſondern muß ſagen, daß ſie gut ſind, und angewandt werden müſſen auf Euer Majeſtät!*)

Die Stimme des Papſtes erloſch faſt in Thränen bei ſeinen letz⸗ ten Worten, und ganz zerſchmettert, ſeine ganze Geſtalt durchbebt von Schmerz, glitt er wieder auf den Seſſel nieder und ſenkte ſein Haupt auf ſeine Bruſt.

Der Kaiſer hatte ihm mit größter Gelaſſenheit und Ruhe zuge⸗ hört. Es war nicht das erſte Mal, daß er Zeuge geweſen ſolcher heftigen Zornesausbrüche des heiligen Kirchenfürſten, und immer hatte er ſie dadurch zu beſchwichtigen gewußt, daß er ihnen ruhig zuhörte, bis der Papſt ermattet von ſeiner eigenen Aufregung ver⸗ ſtummte, und dann, beſchämt über dieſelbe, einen mildern und ver⸗ ſöhnlichern Ton anſchlug.**)

*) Dieſe ganze Rede enthält des Papſtes eigene Worte. Siehe: Huͤbner I. Seite 285..

**) Als der Kaiſer ſpäter nach Rom kam, um dem Papſt ſeinen Gegenbeſuch zu machen, ſagte er eines Tages, als er ſich mit dem Kardinal Bernis unter⸗ hielt und ſie von dem Papſt ſprachen:Ich halte etwas auf Pius, er iſt ein guter Mann, obwohl ſehr heftig. Sie hätten lachen müſſen, wenn Sie Zeuge unſerer Wiener Conferenzen geweſen wären. Der Papſt ward oft ſehr hitzig, manchmal böſe; ich ließ ihn reden, behielt mein kaltes Blut und meinen Ent⸗ ſchluß. Und daß dies ſo war, geht aus den eigenen Worten des Papſtes hervor, denn als er ſich mit dem ſpaniſchen Geſandten Azara über ſeine Wiener Reiſe und deren Reſultate unterhielt, ſagte er:Wir mußten ihm doch allezeir, was wir denken, zu wiſſen thun, um vor Gott und Menſchen vorwurfsfrei zu ſein. Wir ſind vollkommen überzeugt, daß Vorwürfe ihn nicht aufbringen kön⸗ nen, denn mit vieler Gelaſſenheit hört er Alles an, was man ihm ſagen mag, und thut hinterher doch, was er will. Dem ſpaniſchen Geſandten

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