Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Ew. Majeſtät haben den Cardinal Migazzi zur Verantwortung gezogen, weil er meinen Ablaß ohne Ihre Einwilligung hat drucken laſſen?

Ich habe das thun müſſen, weil ich will, daß die Geſetze in meinem Lande aufrecht erhalten werden, ohne Anſehen der Perſon, und das Geſetz befiehlt, daß nichts gedruckt werde ohne Zuſtimmung der Cenſur.

Der Papſt ſeufzte tief auf und fuhr mit zitternder Stimme fort: Und endlich, iſt es wahr, wollen Ew. Majeſtät die Kloſtergüter ein⸗ ziehen, das Vermögen zu Staatszwecken verwenden und den Geiſt⸗ lichen Penſionen ausſetzen?

Das Letztere iſt mein Ziel, ich habe es aber noch nicht erreicht, und von dem Letztern hängt das Erſtere ab. Ich will in dieſer Scheideſtunde ganz offen und ehrlich zu Ew. Heiligkeit ſprechen. Ja, es iſt mein Plan, alle Kirchengüter einzuziehen und den Geiſtlichen, vom Cardinal bis zum Caplan, Beſoldungen aus der Staatskaſſe zu geben. Aber, wie geſagt, noch bin ich fern von dieſem Ziel, und die Kirchengüter, welche ich bis jetzt eingezogen, ſind nur diejenigen der aufgehobenen Mönchs⸗ und Nonnenklöſter. Dieſe habe ich zum Eigenthum des Staats gemacht.

Wehe über Ew. Majeſtät, daß es ſo iſt, rief Pius, indem er bleich vor Schmerz und Zorn zugleich ſich aufrichtete, und ſtolz und hoch dem Kaiſer gegenüber ſtand. Ich kann mich nicht enthalten, Ew. Majeſtät zu ſagen, daß Sie der Kirche eine wehevolle Wunde ſchlagen, und bei den Frommen ein unverſöhnliches Aergerniß erregen durch ſolches Thun. Ich muß ſagen, was ich Gewiſſens halber nicht in meinem Herzen verſchließen kann. Ich muß ſagen, daß der Kirche und den Prieſtern ihr weltliches Eigenthum nehmen, nach der Lehre der katholiſchen Kirche, ein öffentlicher Irrthum ſei, verdammt von den Kirchenräthen, verflucht von den heiligen Vätern und mit dem Namen einer giftigen, einer gottloſen Lehre von erlauchten Schrift⸗ ſtellern gebrandmarkt. Soll ich Ihnen anführen, was Johann, der Patriarch von Antiochien, im zwölften Jahrhundert den weltlichen Fürſten zugerufen hat, welche die Güter der Geiſtlichen einziehen wollten? Dies ſind ſeine Worte:Da Du ein vergänglicher, ſterb⸗ licher, kurze Zeit lebender Menſch biſt, wagſt Du es, einem andern