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Staat kein anderes Geſetz, als das Geſetz des Kaiſers, keinen andern Willen, als den ſeinen, er iſt unumſchränkter Gebieter in ſeinem Reiche, und da er immer nur das Gute will, und das Große erſtrebt, geht Oeſterreich jetzt einer herrlichen, ſtolzen und freien Zukunft ent⸗ gegen. Dieſe Zukunft aber hat es gefunden auf dem Wege, den Ich mit dem Kaiſer wandelte! 1
Pius blickte mit einem Ausdruck tiefen Kummers in das Antlitz des ſtolzen Miniſters. Sie ſprechen nur von dem, was Sie als Staats⸗
mann und als Politiker gethan, ſagte er, und nur mit weltlichen
Gedanken iſt Ihre ganze Seele erfüllt. Und doch iſt Ihr Haar ſchon weiß wie Schnee, doch ſind Sie ein Greis, welcher dem Grabe zuwankt, doch wäre es Ihrem hohen Alter wohl erſprießlich und angemeſſen, ſich auch mit Gott zu verſöhnen, und etwas zu thun zum Beſten der Kirche.*).
Das Angeſicht des Fürſten war bleich geworden, ſelbſt die ſtark aufgelegte Schminke genügte nicht, dies zu verſchleiern. Seine Stirn legte ſich in düſtere Falten, und der Athem kam laut und ſieberiſch aus ſeiner Bruſt hervor. Pius hatte ein Wort genannt, welches Kaunitz ſtreng verboten hatte in ſeiner Gegenwart zu nennen, und welches jetzt ſeine Bruſt wie ein Dolchſtoß getroffen hatte. Dieſes Wort war: das Grab! Pius hatte den eitlen Fürſten an ſeiner Achilles⸗Ferſe verletzt, denn er hatte von ſeinem hohen Alter geſprochen, er hatte ihn einen Greis genannt!
Aber nach einigen Minuten hatte Kaunitz ſeinen Zorn und ſeine Empörung bekämpft und ſein Antlitz ward wieder ſo ruhig und ehern, wie es immer zu ſein pflegte.
Ich hoffe, ſagte er mit lauter, feſter Stimme, ich hoffe, daß ich nicht nöthig habe, mich mit Gott zu verſöhnen, weil ich niemals etwas gethan habe, weshalb er mir ſeine Gnade entziehen müßte. Zum Beſten der Religion glaube ich auch Vieles gethan zu haben, und es iſt nicht meine Schuld, wenn das Beſte der Religion nicht immer im Einklang iſt mit dem Beſten der Kirche. Aber verzeihen mir Ew. Heiligkeit, daß unſer Geſpräch durch meine Schuld eine ſo
*) Des Papſtes eigene Worte. Siehe: Pius VI. und ſein Pontificat. S. 226.
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