Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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er wegen deſſelben dieſer Ceremonie nicht beiwohnen können, bei welcher er hinter dem Papſt hätte einherſchreiten müſſen.

Der andere Mann, welcher es gewagt hatte, ſich dem Papſt als freier, ſelbſtſtändiger Character gegenüber zu ſtellen, das war der Fürſt Kaunitz, derministro eretico, wie der Papſt ihn oft in ſeinen Breven genannt, der Mann mit dem eiſernen Kopf und dem ſtarken Willen, welche Beide Rom ſchon ſo viel Leid zugefügt.

Vergeblich hatte der Papſt an jedem Tage den Beſuch des Für⸗ ſten erwartet; Kaunitz war nicht gekommen, dem heiligen Vater ſeine Huldigung darzubringen; vergeblich ſtand der päpſtliche Pantoffel auf goldgeſticktem Kiſſen in dem Vorſaal des Papſtes; alle hohen Staats⸗ beamten, der ganze hohe Adel kam, dieſen Pantoffel zu küſſen, Kaunitz allein kam nicht.

Und ſo war endlich der Tag der Abreiſe des Papſtes herangekom⸗ men, und Kaunitz hatte Pius noch immer vergeblich auf ſich warten laſſen, und der Papſt, der persuasore, hatte noch immer nicht den ministro eretico die Macht ſeiner Beredſamkeit können empfinden laſſen, noch immer nicht verſuchen können, durch ſeine Güte und Gnade den Für⸗ ſten zu gewinnen, und ihn zu einem Freund der Kirche umzuwandeln.

Heute um die Mittagsſtunde ſollte die Abreiſe des Papſtes ſtatt⸗ finden. Pius hatte ſchon alle Abſchiedsbeſuche empfangen, alle Car⸗ dinäle und Biſchöfe beurlaubt. Um zwei Uhr erwartete er den Kai⸗ ſer, der ihn abholen und ihn bis Mariabrunn begleiten wollte. Jetzt war es eilf Uhr, Pius hatte alſo noch einige unbeſchäftigte Stunden vor ſich. Er konnte alſo endlich zur Ausführung bringen, was er ſchon lange beabſichtigt hatte.

Er ſchellte ſeinem Kammerdiener und befahl ihm, ſofort einen Boten zu dem Fürſten Kaunitz zu ſenden, um Sr. Durchlaucht zu vermelden, daß der Papſt in einer halben Stunde ihm ſeinen Beſuch machen werde.

Der Kammerdiener eilte fort, aber wenige Minuten ſpäter öffnete ſich wieder die Thür und der Ceremonienmeiſter des Papſtes trat ein.

Pius empfing ihn mit einem ſauften Lächeln. Ich weiß, weshalb Ihr kommt, ſagte er. Ihr habt von Brambilla erfahren, daß ich beabſichtige, dem Fürſten Kaunitz meinen Beſuch zu machen, und Ihr wollt mich bitten, dies nicht zu thun!

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