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Mit flehender Bitte wandten ſich dieſe Damen und Cavaliere an den heiligen Vater und flehten ihn um die Gnade an, ihnen, da ſie ihrer Krankheiten und Gebrechen wegen nicht zu dem Papſt wallfahr⸗ ten könnten, den Pantoffel Sr. Heiligkeit in ihr Haus zu ſenden, damit ſte ihre andachtsvollen, Gebete murmelnden Lippen auf den⸗ ſelben drücken könnten.
Dies war ſelbſt für den Papſt, den an alle Arten der Huldigung gewöhnten Statthalter Gottes, eine neue, überraſchende und ſchmeichel⸗ hafte Huldigung, der er indeſſen mit freudiger Bereitwilligkeit will⸗ fahrtete.
In der großen Staatskutſche des Papſtes ward alſo eines Tages der Pantoffel Sr. Heiligkeit umhergefahren zu den vornehmen Gläu⸗ bigen, der päpſtliche Ceremonienmeiſter, im vollen Ornat, trug ihn hinein in die Paläſte, in deren Vorhallen die ganze Dienerſchaft, mit Wachsfackeln in den Händen, Spalier bildete, um den auf goldener
Schüſſel ruhenden Pantoffel zu geleiten, ihm vorzutreten und vorzu⸗
leuchten bis hinein in die Gemächer der Herrſchaften, die auf ihren Knieen den Pantoffel willkommen hießen, und wenn der Ceremonien⸗ meiſter ihnen denſelben zum Kuſſe darreichte, mit glühendſter Inbrunſt ihre Lippen auf denſelben hefteten.*)
Aber alle dieſe Huldigungen, dieſe Schmeicheleien, dieſe Anbe⸗ tungen, ſo ſehr ſite auch immer das edle Herz des Papſtes erfreuten, vermochten doch nicht ihn zu befriedigen, denn es gab zwei Männer in Wien, welche ſich dieſer Vergötterung nicht anſchloſſen, zwei Män⸗ ner, welche Pius zu widerſtehen wagten und ihm entgegentraten mit dem Stolz ihrer eigenen Perſönlichkeit und dem Bewußtſein ihrer eigenen Würde und Bedeutſamkeit.
Der Erſte dieſer beiden Männer war der Kaiſer! Freilich hatte er es niemals an der Ehrfurcht und Rückſicht mangeln laſſen, die er Pius als dem erhabenen Kirchenfürſten, als dem frommen und ehr⸗ würdigen Greiſe ſchuldete. Aber Pius fühlte doch, daß er das Herz, und noch viel weniger den Kopf Joſeph's nicht für ſich gewonnen,
*) Friedel's Briefe aus Wien. Th. I. S. 221. Kaiſer Joſeph. 3. Abth. III.


