Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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die Rolle des Papſtes, und ſtatt der Bibel hielt er einen ungeheuren Folianten in der Hand, das Ceremonienbuch, aus welchem er den fungirenden Cardinälen und Biſchöfen und dem ganzen Schwarm der Prälaten und Geiſtlichen ihre Rollen vorlas, und ihnen ihre Stelle anwies bei dem großen Feſt des morgenden Tages.*)

Dank dieſer Generalprobe fand die große Ceremonie am andern Tage mit aller Pracht ſtatt. Hoch oben auf ſeinem Thron ſaß der heilige Vater in ſeinen goldenen Gewändern, die dreifache Krone auf dem Haupt, das große Brillantenkreuz ſeines höchſten Ordens auf der Bruſt, beſchattet von einem goldgeſtickten Purpurbaldachin, um⸗ ringt von den Cardinälen und Biſchöfen, die in ihren violetten und purpurnen Gewändern ihn umgaben und deren ganze Seele mit allen ihren Gedanken nur heute dem Papſt und dem vorgeſchriebenen Ce⸗ remoniell zugewandt war.

Hoch oben auf ſeinem Thron ſaß der Papſt, mit begeiſtertem Angeſicht hinſchauend auf das heilige Crucifix, das erhabene Bildniß des Gottes, den zu celebriren der Papſt gekommen war, demuthsvoll ſich neigend, er, der erhabene Fürſt der Kirche, vor dem ſegenſpendenden, lebengebenden Gott, deſſen Statthalter auf Erden er ſelber war, und in deſſen Namen er Segen zu ſpenden und Gnade zu verkünden hatte.

Und das Volk, das zu ganzen Schaaren zur Andacht in die Kirche geſtrömt war, das auf ſeine Kniee niederſtürzte, als der Papſt auf ſeinem hohen Thron ſich von ſeinem goldenen Seſſel erhob, und den Segen ertheilte, und das Gebet ſprach, das andächtige Volk ſchauete bewundernd auf den ſchönen, erhabenen Papſt, und entzückte ſich an ſeiner ſtolzen Würde, an ſeiner edlen Majeſtät und ſeiner Hoheit, und betete inbrünſtiger wie jemals, als es den Papſt mit ſo inbrünſtiger Andacht und Demuth das Wundergeheimniß des Altars celebriren ſah. 4

Aber es gab ſo Viele, welche an dieſem Tage nicht die Kirche beſuchen konnten, welche von Krankheit und Gebrechlichkeit an ihr Haus gefeſſelt, nicht dem Papſt perſönlich ihre Huldigung hatten darbringen dürfen, ſo viele vornehme Damen und Cavaliere, welche

*) Friedel's Briefe aus Wien Th. I. S. 217.

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