Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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nach ſeinen Cavalieren um, die mit befremdeten, finſtern Geſichtern der langen und vertraulichen Unterredung des Kaiſers mit dem jungen, unbedeutenden kleinen Kapellmeiſter der kaiſerlichen Oper zu⸗ geſehen hatten.

Meine Erholungsſtunde iſt vorüber, ſagte Joſeph, und ich muß eilen wieder heim zu kommen zu meinen Acten. Ich bitte aber, daß Niemand ſich nach mir genire, ſondern hier bleibe ganz nach ſeinem Belieben. Ich bin kein Freund der Ceremonien, wie Sie wiſſen, und ich liebe es ebenſo wenig genirt zu werden, als zu geniren. Bleiben Sie alſo! Ich weiß genau die Stelle, wo mein Jokey mit meinem Pferd ſteht, und ich wünſche allein dorthin zu gehen.

Er grüßte die Cavaliere mit einem freundlichen Kopfnicken, und ging über den jetzt ſchon lichter gewordenen Platz hin.

Mit einmal blieb er ſtehen, und ſeine Miene hatte jetzt einen ſtrengen, finſtern Ausdruck angenommen. Mit einer ſchnellen Hand⸗ bewegung winkte er den jungen Grafen Podſtadzky Liechtenſtein, den er eben unfern von ſich bemerkt hatte, zu ſich heran.

Graf Carl Podſtadzky näherte ſich ihm und wollte ſich eben, vor ihm ſtehend, ehrfurchtsvoll verneigen, als der Kaiſer mit rauher Stimme ſagte: Keine Ceremonien, Herr! Es iſt hier nicht der Ort und die Zeit dazu. Was thun Sie hier in Wien? Womit be⸗ ſchäftigen Sie Sich?

Der Graf blickte dem Kaiſer erſtaunt in das finſtere zorngeröthete Angeſicht. Sire, ſagte er, ich beſchäftige mich, wie es eben kommt.

Das heißt, Sie reiten, fahren, ſpielen und jubiliren, wenn Sie nicht noch etwas Schlimmers thun, rief Joſeph haſtig. Ich glaubte, Sie hätten Wien verlaſſen, Graf! Sie ſollten es thun, es wäre beſſer für Sie, wenn Sie Sich auf Ihre Güter zurückzögen und arbeiteten für das Wohl Ihrer Unterthanen. Der Müßiggang iſt die Mutter aller Laſter, und ich fürchte ſehr, Sie werden, wenn Sie noch einen Tag länger in Wien bleiben, Ihren Aeltern Schande und Verdruß bereiten. Reiſen Sie alſo ab.*)

*) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe: Characterzüge, Memorabilien und hiſtoriſche Anekdoten von Kaiſer Joſeph II. Herausgegeben von keinem Reichs⸗ hiſtoriographen. I. S. 68.