Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Nun, Sie haben's aber doch fertig gebracht, und juſt am ſelben Tag mit Ihrem andern Werk? Beide Aufführungen auf Einmal?

Eine nach der andern, Sire! Erſt das Werk, das ich im Noten⸗ heft unterm Arm trug, und dann das, welches ich im Herzen trug.

Und beide Werke ſind Ihnen wohl gelungen, und ich gratulire Ihnen dazu! Alſo ich mache Ihnen mein Compliment zu der Ent⸗ führung aus dem Serail. Es iſt eine hübſche Oper! Sehr gut, ſehr brav, nur gar zu viele Noten!

Grade ſo viel, als nöthig ſind, Sire, rief Mozart lebhaft, dem Kaiſer feſt in die Augen ſchauend.

Joſeph lächelte. Kann auch ſein, Maeſtro, ſagte er ſanft, Sie müſſen das freilich beſſer verſtehen, als ich. Weil Sie's beſſer ver⸗ ſtehen, fuhr er fort, indem er ſich näher zu Mozart hinneigte und ſeine Stimme zu leiſem Flüſtern dämpfte, weil Sie's beſſer verſtehen, hab' ich ihnen ja meine Sonate gegeben, daß Sie ſie ein wenig durchſehen, und mir Ihr Urtheil ſagen. Und ich bin ungeduldig und ängſtlich wie's jedem angehenden Künſtler und Componiſten zu gehen pflegt. Alſo ſchnell heraus damit, Herr Kapellmeiſter, wie finden Sie meine Sonate?

Mozart ſchwieg einen Moment, und wiegte ſinnend ſein Haupt, der Kaiſer ſchaute ihn geſpannt und faſt ängſtlich an. Nun ſo ſprechen Sie doch, ſagte er ungeduldig. Wie finden Sie meine Sonate?

Die Sonate iſt wohl recht gut, Sire, ſagte Mozart zögernd, wohl recht gut, aber,— fuhr er raſcher fort, der, welcher ſie gemacht hat, iſt doch noch viel beſſer. Nehmen's halt nit übel, Majeſtät, wenn Sie ein paar Fenſter darin finden.*)

Der Kaiſer lachte. Alſo auch zu viel Noten? fragte er. Sie urtheilen über meine Sonate, wie ich über Ihre Oper. Nur daß Ihr Urtheil in dieſen Dingen competenter iſt als meins, und daß Sie gewiß Recht haben werden. Laſſen Sie uns bald eine neue Oper haben, aber wieder etwas Heiteres und Luſtiges. Die Muſik ſoll das Herz erfreuen und erheitern, nicht es betrüben. Addio!

Er nickte Mozart noch einmal zu, und wandte ſich dann wieder

*) Dieſe Scene iſt hiſtoriſch und wortgetreu.(Siehe: Niſſen. Biographie Mozart's.) Unter„Fenſter“ verſtand Mozart die von ihm durchſtrichenen Stellen.

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