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Augartens auch die Melodieen aus Ihrer„Entführung aus dem Serail“ pfeifen zu lehren? Iſt's Ihnen denn nicht genug, daß alle Menſchen Ihre Melodieen ſingen und trällern, und daß ſie in jeder Kehle ſtecken, und von allen Damenlippen wiedertönen? Müſſen auch noch die Nachtigallen ſie lernen?
Behüt' Gott, Majeſtät, rief Mozart lachend, ich vielmehr ſollt' lernen von den Nachtigallen, und die himmliſche Muſik ihnen ab⸗ lauſchen, die Gott der Herr in ihre Kehle gelegt. Vielleicht gelingt's mir noch und ich ſchreib' eines Tages noch für meinen Kaiſer eine Oper, in welcher alle Nachtigallen des Augartens ihre zärtlichen und ſehnſuchtsvollen Lieder austönen laſſen.
Der Kaiſer legte ſanft ſeine Hand auf Mozart's Schulter und ſah ihm lächelnd in das feine bleiche Angeſicht. Der Mozart hat nicht nöthig von den Nachtigallen zu lernen, ſagte er, Gott hat ihm einen ganzen Schatz von Himmelsmelodieen in ſeine eigene Bruſt ge⸗ legt, und er hat nur nöthig die Feder zu nehmen und ſie zu Papier zu bringen. Ihre Entführung aus dem Auge Gottes,— nicht doch, Sie ſehen ich bin ein rechtes Wiener Kind und mache auch die Späße meiner Wiener mit. Sagen Sie doch, welches von Ihren beiden Werken hat Ihnen mehr Mühe gemacht, die Entführung aus dem Serail, oder die aus dem Auge Gottes?*)
Wahrhaftig, Sire, rief Mozart lachend, ich glaube beinahe die aus dem Auge Gottes. Es hat gar vieler Bitten und Klagen und gar großen Jammers und Verzweifelns bedurft, ehe ich das Werk zu Stand' gebracht!
*) An dem Tage, an welchem Mozart ſeine Oper„die Entführung aus dem Serail“ zum erſten Mal in Wien zur Aufführung brachte, entführte er nach der Opernvorſtellung ſeine geliebte Conſtanze aus dem Hauſe ihrer ſeiner Liebe ab⸗ geneigten Mutter, und geleitete ſie zu einer gemeinſchaftlichen edlen Freundin, die alsdann die Verſöhnung zu Stande brachte, und in deren Hauſe die Vermählung Mozart's mit Conſtanzen ſtattfand. Das Haus, in welchem Conſtanze mit ihrer Mutter wohnte, hieß„das Auge Gottes“, und die Wiener, welche Mozart's Liebesgeſchichte eben ſo gut kannten als ſeine Oper, pflegten dieſe letztere ſcherz⸗ hafter Weiſe„die Entführung aus dem Auge Gottes“ zu nennen. Siehe: Niſſen's Lebensgeſchichte Mozart's.


