Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Herren Cavaliere denn auch thun, und auch diejenigen für Ihres⸗ gleichen halten, die nicht durch den Zufall der Geburt mit einem adlichen Wappen und einem hochtönenden Namen geſchmückt ſind. Ich werde dieſen guten Leuten keinen meiner Gärten verſchließen, denn ich habe ſie ihnen ja geöffnet, weil ich ſie ſchätze.*)

Er nickte dem Grafen einen flüchtigen Gruß zu und wandte ſich an die Gräfin Pergen, welche unweit von ihm ſtand.

Ah, ich heiße Sie willkommen in Wiens Frühlingsluft, ſagte der Kaiſer ſich verneigend. Sie waren lange verreiſt, wie ich höre. Darf man wiſſen, wie es Ihnen ergeht?

Treès- bien, votre Majesté! erwiderte die Gräfin, ſich tief ver⸗ neigend.

Der Kaiſer runzelte die Stirn. Warum ſprechen Sie denn nicht Deutſch? fragte er haſtig. Wir ſind ja in Deutſchland!**)

Und ohne die Dame eines Wortes oder eines Blickes weiter zu würdigen, wandte der Kaiſer mit verdrießlichem Geſicht ſich ab. Auf einmal indeſſen erhellte ſich ſein Antlitz und ſich lebhaft durch die Um⸗ ſtehenden hindurchdrängend, die nicht Platz hatten bei Seite zu treten, näherte er ſich jenem jungen Mann, mit dem bleichen jugendlichen Angeſicht, deſſen große blaue Augen mit einem ſanften lächelnden Ausdruck dem Kaiſer entgegenleuchteten.

Joſeph nickte ihm lebhaft zu und reichte ihm ſeine Hand dar, und die Cavaliere ſahen mit Entſetzen, daß dieſer junge Mann, deſſen einfacher brauner Rock nicht mit dem kleinſten Ordenszeichen decorirt war, nicht wie es doch die Ehrſurcht und die Hofſitte erheiſchte, die dargereichte kaiſerliche Hand an die Lippen drückte, ſondern daß er ſie herzhaft in der ſeinen ſchüttelte, als wäre der Kaiſer wirklich Seinesgleichen.

Seht da, unſer junger Maeſtro Mozart, rief der Kaiſer heiter.

Sind Sie hierhergekommen, Mozart, um die Nachtigallen des

*) Als der Kaiſer den Augarten einrichten und ihn dem Publikum öffnen ließ, ward über der großen Eingangspforte eine Tafel angebracht, auf welcher dieſe von dem Kaiſer ſelbſt angeordnete Inſchrift ſich befand:„Allen Menſchen gewidmet von ihrem Schätzer.“

**) Groß⸗Hoffinger. Th. III.

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