Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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bequem, ſagte Graf Fürſtenberg achſelzuckend. Wenn mir Ew. Majeſtät gnädigſt eine Meinung geſtatten wollen, ſo wage ich zu glauben, daß Ew. Majeſtät wirklich zu großmüthig und liberal geweſen, als Sie dem gemeinen Volk dieſe herrlichen kaiſerlichen Gärten geöffnet.

Wirklich, glauben Sie das? ſragte Joſeph mit einem leichten Anflug von Spott.

Sir, wir glauben das Alle, und im Namen des ganzen Adels möchte ich es wagen, Ew. Majeſtät meine Bitte vorzutragen.

Wagen Sie es immerhin, Herr Graf!

Nun denn, Majeſtät, ſo bitte ich Sie im Namen aller Cavaliere, und beſonders im Namen aller unſerer Damen: haben Sie die Gnade, Sire, und erlöſen Sie Ihren getreuen Adel von dieſer unangenehmen Gemeinſchaft mit dem niedern Volk! Mein Gott, alle Gärten, alle Spaziergänge ſind jetzt dieſen Leuten offen! Nirgends giebt es Vor⸗ behalte, abgeſperrte Alleen, nirgends iſt man ſicher, daß Einem der ungeſchliffene Pöbel nicht das bordirte Kleid beſchmutzt, oder den Damen die zarten Roben zerreißt, oder zertritt, nirgends iſt man à son aise. Wir beſchwören alſo Ew. Majeſtät, wollen Sie wenigſtens Einen der kaiſerlichen Gärten der Menge verſchließen, wollen Sie wenigſtens den Prater reſerviren, und uns Allen wieder das ſichere und angenehme Gefühl gönnen, daß man dort unbeachtet ſich ergehen und die ſchönen Lüfte genießen kann, nur in Geſellſchaft von Seines⸗ gleichen.*)

Joſeph hatte dem Grafen mit lachendem Antlitz zugehört. Sie verlangen immer unter Ihresgleichen zu ſein, ſagte er. Wenn ich ein ähnliches Verlangen trüge, wenn ich immer unter Meinesgleichen ſein wollte, ſo müßte ich in die kaiſerliche Gruft bei den Kapuzinern binabſteigen und darin meine Tage zubringen.**) Ich habe aber durchaus keine Luſt dazu, und ziehe es entſchieden vor mit allen Menſchen zu ver⸗ kehren, und ſie für Meinesgleichen zu halten. So mögen es meine

*) Der hohe Adel Wiens wandte ſich in der That mit einer Eingabe an den Kaiſer und bat um die Schließung des Praters. Dieſer Eingabe ſind die obigen Worte entlehnt. Siehe: Hübner. I. S. 53.

**) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe: Ramshorn Lebensgeſchichte Kaiſer Joſephs II.