Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Eindruck auf ihn, vielleicht hatte er ſie gar nicht gehört; in ſich er⸗ ſchauernd murmelte er leiſe vor ſich hin: iſt das meine Mutter? Oh, ihr Haar iſt ſo weiß geworden, ihre Stirn ſo tief gefurcht!

Die Gräfin lächelte traurig. Du findeſt mich verändert ſeit den zwei Jahren, die Du mich nicht geſehen. Thränen und ſchlafloſe Nächte machen alt, und ich habe viel um Dich geweint und um Dich gewacht! Aber die Liebe läßt ſich nicht hinwegweinen, ſondern nur der Zorn, und in den ſchlummerloſen Nächten iſt in dem Mutter⸗ herzen die Sehnſucht nach ihrem einzigen Sohn immer mehr erwacht, und hat mit angſtvollen Augen um ſich geſchaut nach ihrem Liebling, und hat ſich entſetzt, als ſte ihn endlich gefunden hat, umgeben von Pracht und Glanz, in der Fülle des Reichthums und des Ueber⸗ fluſſes! Oh, mein Sohn, Dein Reichthum iſt es, der mich herge⸗ trieben, Deine Pracht hat mein Herz mit ſolcher Angſt, ſolchem tödt⸗ lichen Schrecken erfüllt, daß ich alles Andere vergaß, und nur die Eine Pflicht noch fühlte, zu Dir zu eilen, Dich zu warnen!

Und weshalb willſt Du mich warnen, meine Mutter? fragte der junge Graf, der jetzt ſeine ſichere, ſorgloſe Haltung wieder gefunden.

Ich will Dich warnen, mein Sohn, weill vielleicht ſonſt das Un⸗ glück bald mit furchtbarer Gewalt über Dich herein brechen könnte!

Ah, ich fürchte das Unglück nicht, rief der Graf mit einem über⸗ müthigen Lachen. Woher ſollte mir auch jetzt in der Fülle des Glücks und des Reichthums das Unglück kommen?

Von Deinem Vater, mein Sohn, ſagte ſeine Mutter ernſt, und indem ſie dicht zu ihm herantrat und ihre Hand auf ſeine Schulter legte, ſagte ſie mit leiſer, haſtiger Stimme: Dein Vater weiß nicht, daß ich hier bin, er würde es mir nie verzeihen, wenn er erführe, daß ich unſern Schwur gebrochen, daß ich dem Gelübde untreu ge⸗ worden, welches wir vor zwei Jahren in jener fürchterlichen Stunde geleiſtet haben! Ich muß Dich heute an jene Stunde erinnern, Carl, ich muß Dir Alles das zurückrufen, was damals zwiſchen uns ge⸗ ſchah, muß Dir die Veranlaſſung vergegenwärtigen, weshalb ein un⸗ glückliches Aelternpaar den einzigen Sohn von ſeinem Herzen verſtieß.

Warum wollen Sie dieſe Vergangenheit heraufbeſchwören, da wir ſie doch Beide kennen, und ſchwerlich vergeſſen haben? fragte der Graf achſelzuckend. Ich wenigſtens habe nichts vergeſſen, ich ſehe