Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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IV. Die Dame Patroneß.

Feſte drängten ſich auf Feſte! Wie ein ununterbrochener Strom von Glück, Genuß und Wonne floſſen die Tage der Gräfin Baillou dahin. Jeder brachte ihr neue Triumphe, neue Huldigungen, neue Siege. Sie war der Mittelpunkt aller Geſellſchaften, die leuchtende Sonne aller Soireen, aller Concerte und Bälle. Selbſt die Damen ſchienen dieſer ſiegreichen Schönheit gegenüber aufgehört zu haben, eiferſüchtig und neidiſch zu ſein, und prieſen laut die Liebenswürdig⸗ keit, die Grazie und die ſtrenge unnal dare Sittſamkeit der Gräfin Baillou, und fanden es ganz natürlich, daß die Männer entzückt von ihr waren. Sogar der Kaiſer ſchien nicht ganz unempfindlich gegen die Liebenswürdigkeit dieſer bezaubernden Frau zu ſein, und hatte auf dem großen Ballfeſt beim Fürſten Eſterhazy ſie ſogar zwei Mal zum Tanz aufgefordert. Es war daher natürlich, daß alle Diejenigen, welche durch ihren Rang und ihre Stellung auf das Glück hoffen durften, den Kaiſer bei ihren Feſten erſcheinen zu ſehen, ſich auch be⸗ eilten, die ſchöne Gräfin Baillou einzuladen, von der Joſeph geſagt, daß ſie die intereſſanteſte und geiſtvollſte Dame in ganz Wien ſei.

Heute wollte auch der junge Graf Podſtadzky Liechtenſtein dem ariſtocratiſchen Wien ein Feſt geben, und die Gräfin Baillou hatte es übernommen, die Dame Patroneß deſſelben zu ſein, und in dem Salon des unverheiratheten Grafen für einige Stunden die Rolle der Dame vom Hauſe zu übernehmen, um es dadurch den Damen möglich zu machen, in dem Hôtel des jungen Grafen zu erſcheinen. Freilich wäre es natürlicher geweſen, daß die Mutter des Grafen, die alte Gräfin Podſtadzky Liechtenſtein, dieſe Rolle der Dame Patroneß übernommen hätte, allein man wußte, daß das alte gräfliche Paar feit lange ſchon nicht mehr im beſten Einvernehmen mit ſeinem einzigen Sohn lebte, und ſich in letzter Zeit ganz und gar von ihm zurück⸗

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