Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Joſeph blickte nicht zu ihm auf, ſondern war eifrig damit beſchäftigt, die Bittſchriften zu öffnen und ihren Inhalt zu prüfen.

Plötzlich lachte der Kaiſer hell auf, und ſchaute mit blitzenden Augen von dem Papier empor und zu Günther hinüber.

Ah, welche allerliebſte Bittſchrift ich da eben bekomme, Günther, ſagte er. Einer von den abgeſetzten Hofräthen befiehlt mir, ihm eine höhere Penſion zu geben, damit er anſtändig leben könne, und ſagt, daß er bei der ihm angewieſenen Penſion nicht exiſtiren könne, und nun hören Sie den Schluß der Bittſchrift:„Ein rechter Kahlmäuſer iſt unſer Kaiſer!“*⁰)

Und Ew. Majeſtät lachen dazu? fragte Günther empört.

Ja, ich lache dazu, ſagte Joſeph. Ich finde, daß es nichts Nai⸗ veres und Reizenderes giebt, als dieſe Bittſchrift.

Und ich, vergeben Ew. Majeſtät, ich bin der Meinung, daß ſie eine unerhörte Frechheit iſt, und daß Ew. Majeſtät mit aller Strenge den Unverſchämten beſtrafen müſſen, der—

Der ſo ehrlich iſt, mir das in's Geſicht zu ſagen, was tauſend Andere hinter meinem Rücken ſagen? unterbrach ihn der Kaiſer. Nein, Günther, ich werde dieſem ehrlichen Mann ſeine Penſton ein wenig erhöhen, juſt darum, weil er kein Schmeichler iſt! Nun, machen Sie kein ſo böſes Geſicht, Günther! Kommen Sie, wir wollen arbeiten! Und indem der Kaiſer ſich langſam in ſeinen Fauteuil neben dem Tiſch mit den Bittſchriften niederſetzte, ſummte er leiſe vor ſich hin: Ein rechter Kahlmäuſer iſt unſer Kaiſer!

*) Hübner I. S. 199.

Feſte von Glück dahin. J Siege.

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