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tüchtig ſeid. Gute Frau, meldet Euch morgen drüben in der Kanzlei, ich werde Befehl geben, daß die vier ältern Knaben gleich gut ver⸗ ſorgt und untergebracht werden; den Kleinen bringt Ihr mir über's Jahr, und bis bahin gebe ich Euch Pflegegeld füei menen kleinen Buben. Adieu! Geht morgen auf die Kanzlei.
Gott lohne es Ew. Majeſtät, rief die Frau mit vor Rührung zitternder Stimme, tauſendfach vergelte er's Eurer Majeſtät! Ach, meine Buben, meine lieben Buben, jetzt ſeid Ihr verſorgt, denn der Kaiſer erbarmt ſich der Waiſen! Aber das ſag' ich Euch, Buben, werdet brave Kerls und betet für den Kaiſer!
Sie war zurückgetreten in den Controlorgang, und hinter ihr ſchloß der Kammerdiener jetzt die Thür, die Audienzen waren für dies⸗ mal beendet.
Joſeph ſtand noch immer in der Mitte des Gemaches und ſchaute gedankenvoll und trübe nach jener Thür, hinter welcher die Kinder mit ihrer Mutter eben verſchwunden waren.
Und betet für den Kaiſer, wiederholte er leiſe. Was wird denn Gott mehr hören, die Gebete von unſchuldigen Kinderlippen, oder die Flüche und Verwünſchungen von geweiheten Prieſterlippen? Es ſind ſo wenige, welche für mich beten, und ſo Viele, welche mich ver⸗ wünſchen! Ah bah, was nützen dieſe empfindſamen Klagen! Ich muß meine Straße muthig weiter gehen, und der Dornen nicht achten, welche ich mir in die Füße trete. Zuweilen wird ſich unter den Dornen doch auch wohl eine kleine Roſe für mich finden. Und wenn nicht, nun, ſo muß ich auch mit einem Leben ohne Duft und ohne Blüthen zu⸗ frieden ſein, und mich damit begnügen, ſo viel in meinen Kräften ſteht, Andern das Glück zu bereiten, das ich ſelbſt entbehren muß! Fort alſo mit den Empfindſamkeiten, ich habe keine Zeit dazu! Da iſt eine ganze Mappe voll Bittſchriften! Ich will ſie mit Günther durchſehen und bearbeiten!
Er trat zu dem Tiſch und ſchellte heftig. Dann nahm er die Mappe und ſie öffnend, vertiefte er ſich ſofort in die Papiere, die er aus derſelben hervorſchüttelte, und die bald den ganzen Tiſch be⸗ deckten.
Günther war, dem Ruf der Klingel gehorchend, eingetreten, und hatte ſich vor dem Tiſch, der Befehle des Kaiſers harrend, aufgeſtellt. Kaiſer Joſeph. 3. Abth. III. 3


