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Sehnſucht nach der Welt, nach Menſchen, nach Liebe, Glück und Arbeit überkam mich, aber zu ſpät, zu ſpät! Die Langeweile drückte wie ein Alp auf meinem Herzen und meinem Hirn, die Sehnſucht nach der Welt zehrte an meinem Körper, ich rang nach Reſignation, und konnte ſie nicht finden. Da auf einmal erſchallte durch das Kloſter Ihr kaiſerliches Erlöſungswort, und wie ich's vernahm, ſtürzte ich jauchzend nieder auf meine Kniee, und dankte Gott mit heißen Thränen, daß er das Herz des großmüthigen Kaiſers gerührt, daß dieſer uns die Freiheit wiedergeben wollte!
Der Kaiſer hatte dem jungen Mädchen mit geſpannter Aufmerk⸗ ſamkeit zugehört, und jetzt, als ſie geendet und mit Thränen in den Augen zu ihm hineilte, um ſeine Hand zu erfaſſen und an ihre Lippen zu drücken, ließ er es geſchehen und nickte ihr freundlich lächelnd zu.
Ich danke Ihnen für Ihre Erzählung, ſagte er, und wenn wirklich Ihre Geſchichte die mancher andrer Nonnen wäre, ſo dürft' ich ja hoffen, Euch armen Geſchöpfen eine Wohlthat erwieſen zu haben! Und doch geht ein Geſchrei des Zorns über mich durch alle Kirchen und Klöſter, und keine der entlaſſenen Nonnen denkt wie Sie!
Oh, glauben Ew. Majeſtät mir nur, im Grunde ihres Herzens denken alle dieſe Nonnen ſo, wie ich, und wenn ſie anders ſprechen, ſo geſchieht es nur, um ihre Freude zu beſchönigen, oder weil die Drohungen der andern ſie eingeſchüchtert haben. Nur diejenigen denken anders, welche ihr hohes Alter und die Gewohnheit der Sclaverei vielleicht ſchon unempfindlich gegen die Freuden der Welt und die Gemeinſchaft mit den Menſchen gemacht haben. Die Andern aber denken und fühlen mit mir, und danken es Ew. Majeſtät, daß Sie ſie errettet und dem Leben wieder gegeben haben.
Dankt mir, indem Ihr glücklich ſeid und die braven Frauen Eurer Männer, die treuen Mütter Eurer Kinder werdet, ſagte der Kaiſer, indem er dem Mädchen die Hand zum Abſchied reichte, und ſie mit einem freundlichen Kopfnicken entließ.
Sie hatte kaum das Cabinet verlaſſen, als in der Thür derſelben eine ärmlich gekleidete Frau erſchien, umringt und umdrängt von einem Haufen Kinder, die ſich ſcheu und ängſtlich um ihre Mutter drängten, und ihre glühend rothen Geſichter in ihrer Schürze und


