Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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als meinen Arm; des Morgens keinen andern Frühtrunk, als das Waſſer des Quells.

Und hatteſt Du denn ſo Nothwendiges hier in Wien auszurichten?

fragte der Kaiſer.

Ich hatte dem Herrn Kaiſer dieſe Bittſchrift da zu überreichen.

Bloß deshalb haſt Du die beſchwerliche Reiſe unternommen?

Ja, bloß deshalb, Herr! Hab' es den Bauern in unſerm Kirch⸗ ſprengel verſprochen, und feierlich zugeſchworen, daß ich die Bittſchrift in des Herrn Kaiſers eigene Hände niederlegen wollt. Es ſtehen die Namen aller Bauersmänner aus unſerm Kirchſprengel darunter, aber ich ſag's Euch, Herr Kaiſer, hätten wir Zeit gehabt, das Blatt Papier im ganzen Ungarland umherzuſchicken, ſo würd' jeder Bauer ſeinen Namen darunter geſetzt haben. Es iſt ein Nothſchrei vom ganzen Ungarvolk, den ich Euch in dieſem Papier da bringe, Herr Kaiſer, und zu Hauſe in unſern Hütten beten jetzt alle unſere Frauen und Kinder, daß der allmächtige Herr und Gott unſers Kaiſers Ohr unſerm Nothſchrei öffne, damit er, welcher ſogar der Juden ſich er⸗ barmte, auch den armen ungariſchen Bauer und Leibeigenen erlöſen möge! Wir haben's daheim ſchon ſo ausgerechnet, daß ich jetzt zu dieſer Stund' vor dem Kaiſer ſtehen und die Bittſchrift überreichen würde, und beshalſ beten ſie juſt zu dieſer Stund' auch in allen Kirchen des Banats!

Es iſt alſo fuͤr Euch alle eine gar wichtige Sache, von der Ihr in Eurer Bittſchrift redet? fragte Joſeph.

Herr Kaiſer, es iſt die wichtigſte Sach' unſers Lebens, denn es handelt ſich darum, ob wir immer noch Knechte und Leibeigne bleiben, oder ob wir Menſchen werden ſollen! Und da ich nun doch hier bin, und vor dem Kaiſer ſteh', und da ſte doch zu Hauſe jetzt noch beten, ſo will ich denken, daß Gott dieſe Stunde ſegnet, und will Euch noch etwas bitten, Herr Kaiſer.

Bittet, mein guter Freund, wenn ich's vermag, werde ich's Eiinent

Sie haben uns daheim geſagt, daß der Kaiſer wohl alle Tag' i „Controlorgang alle Bittſchriften annimmt und auch verſpricht ſte zu leſen, daß er das aber nicht thun könne, weil er ſonſt nichts weiter

würd' thun können, als Bittſchriften leſen. Die erſten vier, fünf

Bittſchriften läſe der Herr Kaiſer alſo wohl ſelbſt, die andern aber

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