Anhänger und Nachfolger, Joſeph II., ein Lutheraner, uneingedenk der göttlichen Barmherzigkeit, die ihn auf den Thron erhoben, ein berüchtigter Verächter heiliger Kirchengeſetze, begünſtigt und befördert alle Ketzereien, und iſt ſelbſt ein Mann von keiner Religion. Nun hat er,— ein ſeit Jahrhunderten unerhörtes Beiſpiel!— eben dieſen Tempel unter der Maske der Tugend zum Sammelplatze der Greuel angewieſen und verkauft.“*)
Günther's Antlitz war, während er las, immer glühender, ſeine Stimme immer erregter geworden, aber der Kaiſer hatte ihm mit vollkommener Ruhe, mit heitern, lächelnden Mienen zugehört.
Ich beſchwöre Ew. Majeſtät, rief Günther, als er du Ende ge⸗ leſen, dies Mal nur haben Sie die Gnade, Strenge zu üben und dieſen Uebermüthigen zu zeigen, daß auch die Milde ihre Grenzen hat, und daß, wenn die Preßfreiheit in eine Preßlicenz ausartet, Ew. Majeſtät dies nicht dulden werden!
Und weshalb ſollte ich das? fragte der Kaiſer lächelnd. Weshalb ſollte ich dieſen Leuten nicht erlauben, ein wenig an mir ihr Müthchen zu kühlen. Wenn ich dies Pamphlet unterdrückte, würde das nicht den Anſchein haben, als ob ich es fürchtete, und in dieſer Anklage eine Gefahr für mich ſehe? Nein, im Gegentheil, ich will, daß alle Menſchen es leſen, um darnach beurtheilen zu können, ob es die Wahr⸗ heit enthält. Ich beauftrage Sie alſo, Günther, dies Pasquille ſofort drucken und in allen Buchhandlungen verkaufen zu laſſen. Wir wollen für das Exemplar einen Kaufpreis von ſechs Kreuzern feſtſetzen, und den Erlös dieſes Unternehmens wollen wir den Kirchenvorſtehern als Beiſteuer für die Armen übergeben.**)
Oh, rief Günther tiefbewegt, wenn Ihre Feinde jetzt hier wären, und die hochherzigen Worte Ew. Majeſtät hören könnten, müßten ſie da nicht beſchämt und gerührt zu Ihren Füßen niederſinken, und zer⸗ knirſcht von Ihrer Größe und Ihrem Edelmuth um Vergebung flehen?
Still, ſtill, ſagte Joſeph, ſonſt würden meine Feinde, wenn ſie jetzt hier wären, mit allem Grund vermuthen können, ich ſei wie all
*) Hübner I, Seite 81. **) Hiſtoriſch. Es wurden ſchon am erſten Tage, als dies auf Befehl des Kaiſers gedruckte Pamphlet erſchien, fünftauſend Eremplare davon verkauft.


