Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Aber was wollen Sie, ſagte Joſeph heiter, die Leute, die das geſchrieben, haben Recht. Den Mönchen und Nonnen gegenüber bin ich ein Tyrann, denn ich habe ſie ausgetrieben aus den Freiſchlöſſern

der Faulheit, des Hochmuths und des Wohllebens, in denen ſie die

Herren und Gebietenden waren. Ich habe ſte angegriffen, ſie ver⸗ theidigen ſich, und da ſte keine andern Waffen haben, als ihre Zun⸗ gen, ſo muß man ihnen wohl geſtatten, dieſe zu gebrauchen. Ich habe meinem Volk die Rede⸗ und die Schreibfreiheit gegeben, die Mönche und Prieſter müſſen eben ſo gut Gebrauch davon machen dürfen, wie jeder Andere.

Nun, wenn Ew. Majeſtät das in der Ordnung finden, ſagte Günther, ein Papier aus ſeinem Buſen hervorziehend, wenn Ihnen dieſe Unverſchämtheiten der ſogenannten Himmelsfechter keinen weitern Aerger bereiten, Sire, ſo muß ich Ihnen, treu meinem Gelöbniß, Ew. Majeſtät nichts zu verſchweigen, auch dies Pasquill hier mit⸗ theilen, das geſtern an den Mauern des ehemaligen Königskloſters angeheftet war.

Ach, dies Königskloſter ärgert alſo die Himmelsfechter noch immer! rief der Kaiſer lächelnd. Sie können es mir noch immer nicht verzeihen, daß ich das Kloſter an den Banquier Fries verkauft habe, der ſich einen Palaſt daraus bauen will, und daß die Kirche jetzt der evangeliſchen Gemeinde zu ihrem Gottesdienſt überlaſſen wor⸗ den! Nun laſſen Sie hören, was ſagt das Pasquill?

Sire, meine Zunge ſträubt ſich, das zu leſen! Wollen Ew. Ma⸗ jeſtät nicht die Gnade haben, Selbſt

Nicht doch! Sie müſſen Ihre Zunge ſchon daran gewöhnen, ſolche Schmähungen wider mich zu leſen, denn ich denke, Sie werden mir noch öfter dergleichen vorzutragen haben. Leſen Sie alſo!

Und der Kaiſer ließ ſich in einen Fauteuil niedergleiten, und ſtreckte ſich behaglich in demſelben aus.

Günther las:Dieſer Tempel war erſt zum Dienſt des all⸗ mächtigen Gottes von den frommſten Beherrſchern Oeſterreichs ein⸗ gerichtet, war die Wohnung heiliger Jungfrauen des unbefleckten Lammes; aber es plünderte darin die Kirchenſchätze, es zerſtreuete in alle Welt die Gottgeheiligten Nonnen, jener Verführer der Braut Chriſti und Schwächer reiner Jungfrauen, des Martin Luther's treuer

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