Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Tyrannen nannten, ſo begrüßte das Volk ihn als den frommen und Nebe leutſeligen Kaiſer, beſonders ſeit es ihn demüthig und fromm in einer bei der Kirchen den ihm vorbehaltenen Ehrenplatz hatte verſchmähen und Qui mitten unter dem armen Volke hatte knieen ſehen.*) 3 Mor Und begleitet von dieſen Grüßen und Segenswünſchen des Volks 3 war der Kaiſer heimgekehrt nach Wien, aber nicht um auszuruhen f feine von ſeiner beſchwerlichen Reiſe, ſondern um weiter zu arbeiten an Bitt dem großen Werk, das er begonnen, um weiter zu bauen an ſeinem 1 neuen Oeſterreich. un Mit unermüdlichem Eifer hatte er ſeit ſeiner Rückkehr ſich wieder muß den Regierungsgeſchäften hingegeben, alle während ſeiner Reiſe ein⸗ gegangenen Bittſchriften und Reſcripte ſelbſt leſend und prüfend, und gr

dann auch für alle ſelbſt die Antwort beſtimmend. N Seit zwei Tagen hatte daher der Kaiſer kaum ſein Cabinet ver⸗ 9 laſſen, aber der erſte expedirende Secretair hatte alle zwei Stunden di in daſſelbe eintreten müſſen, um die abgefertigten Briefſchaften in ſů Empfang zu nehmen und zu befördern. Vier Secretaire hatten den un ganzen Tag vollauf zu thun gehabt, um die Briefe auszuführen, deren 8 4 un Inhalt der Kaiſer in kurzen Sätzen am Rande der Briefe und Bitt⸗ ſchriften entweder ſelbſt geſchrieben, oder von Günther hatte ſchreiben aug laſſen. Und dieſe Secretaire mußten ſehr genau und pünktlich arbeiten, vor . denn der Kaiſer begnügte ſich nicht, ihnen Arbeit zu geben, ſondern

er prüfte auch ihre Arbeit, und alle von ihnen während des Tages

ausgearbeiteten Briefe und Reſcripte mußten am Abend dem Kaiſer und

in ſein Cabinet gebracht werden. Dort prüfte er dieſelben mit der' mi größten Genauigkeit, ließ ſich dieſelben von Günther vorleſen oder ich las ſte ſelbſt. Alsdann mußte Günther ſte in Gegenwart des Kaiſers' 4 adreſſiren und ſtegeln, und damit Joſeph ſicher war, daß auch keins 4 Ei dieſer Papiere unterſchlagen werden könne, that er dieſelben eigen⸗ 4 ern händig in eine große Mappe, die er verſchloß, indem er dem Boten, 4 un welcher ſte zu expediren hatte, den Schlüſſel übergab, zugleich mit 1 A einer Liſte, auf welcher die Namen der Adreſſaten verzeichnet waren.

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*) In Luremburg wohnte der Kaiſer dem Hochamt bei, und knieete nicht

unter dem ihm errichteten Baldachin nieder, ſondern mitten unter ſeinem Volk.

Vor dem Höchſten, ſagte er, ſind wir Alle gleich. Hübner I, S. 233. 1