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zu V ein ganz ehrenvolles Amt, und man kann mit der Feder und der en Zunge ebenſo ogut und vielleicht noch beſſer Krieg führen, als mit dem Schwert. Ich bitte Ew. Majeſtät, mich zu Ihrem Geſandten er bei einer auswärtigen Macht anzunehmen. Ah, Du willſt uns ſchon wieder verlaſſen und auf Reiſen gehen? le, rief Maria Thereſta ſchmerzlich. ng Ich bitte Ew. Majeſtät um Ihre Einwilligung zu einer langen mnh Reiſe. Aber mein Sohn vergißt, daß er hier in Wien nothwendig iſt, ief daß ich ſeines Raths, ſeines Beiſtandes bedarf, daß der Kaiſer und o der Mitregent— 2 Majeſtät, unterbrach ſie Joſeph raſch, an Ihnen allein iſt es zu regieren, an mir zu gehorchen, und ich weiß ſehr wohl, daß das Wort ſr Mitregent, das hinter meinem Namen ſteht, nur ein leerer Titel iſt, t den mir die Gnade Eurer Majeſtät bewilligt hat. Ich bin hier in Wien durchaus nicht nothwendig, aber ich kann anderswo Ew. Majeſtät nützlich ſein, und ich bitte deshalb um Urlaub. Und wohin gedenkſt Du zu gehen, mein Sohn?
Ich bitte Ew. Majeſtät um Erlaubniß zu einer Reiſe nach Ruß⸗ land zur Kaiſerin Katharina! it⸗ Zur Kaiſerin Katharina? rief Maria Thereſia, indem ſie faſt iſ entſetzt einen Schritt zurücktrat. Du willſt zu dieſer Frau gehen?— f⸗ Ich will zu dieſer Frau gehen, unterbrach ſte Joſeph, in derſelben Eigenſchaft, wie Baron Thugut zu dem König von Preußen ging,
ich als der Geſandte Eurer Majeſtät, nur daß ich es nicht heimlich und hinterrücks thue, ſondern Ew. Majeſtät erſt davon benachrichtige!
ur Und was beabſichtigt der Kaiſer mit dieſer Reiſe nach Rußland?
i⸗ fragte Maria Thereſta, die ſich den Anſchein gab, die Anſpielung des
gar 1 Kaiſers nicht verſtanden zu haben. ⸗
rt⸗ Ich beabſichtige, uns die Freundſchaft der Kaiſerin von Rußland 4 en zu gewinnen.
it Die Freundſchaft dieſer ſchlimmen und laſterhaften Frau! rief
c, Maria Thereſia erglühend. Das iſt ein Beſitz, den ich nicht begehre! 82 1—..*
ich Und doch waren es Ew. Majeſtät, welche Sich zuerſt an die Kai⸗⸗
rin von Rußland wandten, und ihr das Recht gaben, ſich zu einer hiedsrichterin in unſern und in Deutſchland's Angelegenheiten auf⸗
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