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Und weiter haſt Du mir über dieſe Angelegenheit nichts zu ſagen? Du biſt alſo einverſtanden mit dieſem Frieden?
Es geziemt einem Unterthan und Sohn nicht, ſich aufzulehnen gegen die Beſchlüſſe ſeiner Kaiſerin und Mutter!
Aber Du biſt nicht blos der Unterthan und Sohn, Du biſt der Kaiſer und der Mitregent.
Nein, Majeſtät, ich bin wie einer der venezianiſchen Generäle, der im Kriege die Landarmee commandirt und dazu die Beſtallung der Republik erhält,— wenn die Feldzüge vorbei ſind, ſo bekommt er eine Penſion und hat ſich um nichts weiter zu kümmern.*)—
Oh, mein Sohn, dies ſind ſehr harte und bittere Worte, rief die Kaiſerin ſchmerzlich. Ich ſehe es wohl, Dein Herz hat ſich von mir gewendet und Du zürnſt mir, weil ich einen ſichern und verſöh⸗ nenden Frieden einem zweifelhaften Krieg vorgezogen.
Ich wage es nicht, Ew. Majeſtät zu zürnen, und wenn dieſer Friede wirklich ſo verſöhnend und ſicher iſt, ſo wünſche ich Ew. Majeſtät Glück dazu!
Maria Thereſia ſeufzte tief auf. Ich ſehe es wohl, ſagte ſie traurig, Du weichſt mir aus, Du willſt mir nicht Rede ſtehen und mich nicht in Dein Herz ſehen laſſen.
Des Kaiſers Antlitz überflog ein trauriges Lächeln. Oh Majeſtät, ich habe kein Herz mehr, ſagte er achſelzuckend, in meiner Bruſt iſt nur ein großes Grab, und darin ſind alle meine perſönlichen Hoff⸗ nungen begraben!
Ich denke nicht, daß es dem zukünftigen Kaiſer von Oeſterreich ziemt, ſo gar hoffnungslos und verzagt zu ſein! rief die Kaiſerin.
Ich ſprach auch nicht von dem Kaiſer, Majeſtät, ſondern nur von dem armen Joſeph von Habsburg und deſſen perſönlichen Wün⸗ ſchen. Was dengzukünftigen Kaiſer anbetrifft, ſo hat der noch gar viele Wünſche unz Hoſſitungen; zuerſt die, daß die Zeit ſeiner Herr⸗ ſchaft noch fern ſein und Ew. Majeſtät Oeſterreich noch lange erhalten bleiben möge! Dann den Wunſch, Oeſterreich zu nützen. Da wir Frieden haben, und ich als General penſtionirt bin, ſo biete ich mich, um nützlich zu ſein, Eurer Majeſtät als Diplomat an. Das iſt auch


