Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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die edle 129

t Puuj.Ew. Majeſtät haben mich mit einem Schreiben beehrt, und be⸗ qual⸗ gehren in demſelben meinen Rath. Ich bemerke aber ſeit einiger Zeit, t uach daß man meinen Vorſchlägen ſeltener beipflichtet und alſo meinen 1 und Rath entbehren kann. Dieſe Betrachtung hatte in mir den Gedanken erweckt, meine Rolle niederzulegen und den Reſt meiner Tage in Sir⸗ Zurückgezogenheit den Freunden und den Wiſſenſchaften zu leben. Der Entſchluß Eurer Majeſtät, Ihre Reſidenz nach Frankfurt oder In und Aachen zu verlegen, beſtimmt mich nun, meinen Vorſatz ſogleich aus⸗ 7 1, zuführen. Denn unmöglich kann ich wünſchen, daß man von mir uif die einſt ſage, ich hätte während meiner Verwaltung nicht zu hindern te rij gewußt, was die Welt mit Staunen vernehmen, alle öſterreichiſchen 19 Völker mit tiefem Kummer erfüllen, und dem Staat höchſt verderblich 3 och ſein wird. huüren Eine Pauſe trat ein, als Lacy dies laconiſche Schreiben zu Ende eenet geleſen hatte. Mit traurigen, geſpannten Mienen blickten die beiden orſan, Feldherrn auf den Kaiſer hin. rung Er ſtand da mit übereinander geſchlagenen Armen, das Haupt rückwärts gelehnt, die großen, blauen Augen mit einem Blick fragen⸗ a an den, vorwurfsvollen Schmerzes gen Himmel gerichtet, die zitternden . Lippen feſt aufeinander gepreßt. Allmälig ſenkte ſich ſein Blick nieder⸗ 3, daß wärts, und die Augen, welche in den ziehenden Wolken des Himmels nktes ſein Schickſal geleſen zu haben ſchienen, wandten ſich jetzt den beiden Feldherrn zu. denn, Ihr habt mich aufgefordert, ein guter Unterthan und ein guter , jett Soldat zu ſein, ſagte er langſam und mit bebender Stimme. Ich neinen will es ſein, ich will mir Eure Achtung verdienen, und ich will ntwort S Oeſterreich einen Staatsmann erhalten, der ihm in guten und ſchlim⸗ öffnet, men Tagen genutzt hat! Mein Geſchäft hier iſt zu Ende, ich kehre r ſeid 4 heut noch heim nach Wien! geben. Ein ſchönes Lächeln verklärte das harte, durchfurchte Antlitz Lou⸗ und don's, und lebhaft mit dem Kopfe nickend, ſagte er: Ich wußt' es wohl, daß mein Kaiſer nicht anders handeln würde. vieren Lacy ſtieß einen Freudenruf aus und zu dem Kaiſer hinſtürzend, von nahm er ſeine Hand und drückte ſie voll unendlicher Zärtlichkeit an ſein Herz. 1 ann Sire, ich habe Sie geliebt, ſo lange Sie leben, ſagte er innig, Kaiſer Joſeph. 3. Abth. I. 9 4 4

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