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Hören Sie ihn, mein Kaiſer, flehte Lacy, hören Sie die edle
Stimme des alten Feldherrn, der oft für ſeine Kaiſerin ſein Blut
vergoſſen hat!
Der Kaiſer neigte ſinnend ſein Haupt und leiſes Aechzen, qual⸗ volle Seufzer drangen aus ſeiner Bruſt hervor. Ich kann nicht nach Wien zurückkehren, murmelte er leiſe, ich kann nicht heucheln und meiner Mutter mit Liebe und Ergebenheit entgegentreten!
Ein tapferer Soldat muß jeden Feind überwinden können, Sire, auch den Feind in ſeiner eigenen Bruſt, ſagte Loudon.
Ueberwinden Sie Sich ſelbſt, Sire, und von den Schmerzen und Unannehmlichkeiten der Gegenwart wenden Sie Ihr Auge auf die glanzvolle und große Zukunft, die Ihrer harrt, ſagte Lacy.
Oh mein Gott, wißt Ihr denn, was Ihr von mir fordert? rief Joſeph außer ſich. Ihr fordert von einem Sclaven, der das Joch von ſeinem Nacken ſtreifen und frei ſein könnte, daß er ohne Murren ſein Joch weiter trage, und die Sclaverei freiwillig und aus eigener Wahl dulde. Ihr fordert von mir Unterwerfung und Gehorſam, während meine ganze Seele ſich aufbäumt in Zorn und Empörung über die Schmach, die man mir aufbürdet.
Wir verlangen von dem zukünftigen Selbſtherrſcher, daß er ein guter Unterthan ſei, rief Loudon ſtreng.
Wir flehen zu dem großen und edlen Sinn unſers Kaiſers, daß er um Oeſterreichs willen ſeinen Stolz beuge, und ihm ſein gekränktes Ehrgefühl zum Opfer bringe, flehte Lacy.
Joſeph ſchaute Beide mit traurigen Blicken an. Nun denn, ſagte er matt, ich habe den Freund und den Soldaten gehört, jetzt will ich auch den Staatsmann noch hören. Ich hatte Kaunitz meinen Vorſatz mitgetheilt, und um ſeinen Rath gefragt. Seine Antwort iſt heute angelangt, aber ich habe das Schreiben noch nicht geöffnet, weil ich von Ihnen Beiden erſt eine Meinung hören wollte. Ihr ſeid Beide wider mich, und ſo ſoll Kaunitz denn jetzt die Entſcheidung geben. Dort liegt der Brief. Ich bitte Sie, Lacy, öffnen Sie denſelben, und leſen Sie uns vor.!
Lacy ſuchte das noch verſiegelte Schreiben unter den Papieren hervor, und öffnete es. Dann las er mit lauter Stimme das von des Fürſten eigener Hand geſchriebene Billet, das ſo lautete:
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