Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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es iſt nichts weiter zu thun! Dreimalhunderttauſend Mann ſtehen da kampfgerüſtet und warten nur des Wortes, das ihnen erlaubt ihr Schwert zu erheben, und auf den verhaßten Feind los zu gehen. Ein Kaiſer und zwei große und berühmte Feldherrn ſind bereit, dieſes von einer großen tapfern Armee erſehnte Wort zu ſprechen, aber ihre Lippen verſtummen vor dem Ton einer ſchwachen Weiberſtimme, die aus Wien herübertönt. Dreimalhunderttauſend Schwerter ſenken ſich vor den Federn von ſieben Diplomaten, die ſich in Teſchen verſammeln, um einen Frieden zuſammen zu leimen, der nicht haltbarer ſein wird wie ein Kartenhaus, und den wir gezwungen ſind zu reſpectiren. Oh wahrlich, es iſt ein luſtig Ding um dieſen Krieg! Länger als ein Jahr ziehen zwei Armeen in künſtlichen Windungen nebeneinander her, bramarbaſirend, und von Heldenthaten träumend, und ſich doch mit kleinen Scharmützeln, mit Fouragiren und Plänkeleien begnügend. Millionen ſind ausgegeben, Städte und Dörfer ſind niedergebrannt, Tauſende von Menſchen irren obdachlos umher, unbebaut und wüſte liegen ganze Landſtriche da, und alle Greuel des Krieges ſind über Deutſchland gekommen, nur der Krieg ſelber nicht! Und doch iſt Deutſchland beſtegt, und doch legt dieſer Friede, den ſie in Teſchen zuſammen leimen werden, Deutſchland eine Kette an, die es nimmer und nimmer wieder von ſeinem Nacken ſtreifen wird, und die ihm viel Wunden und viel Blut koſten wird! Ihr ſeht mich verwundert an, als ob Ihr mich nicht verſtändet. Habt Ihr die Note nicht geleſen, welche die Kaiſerin von Rußland an Oeſter⸗ reich geſandt hat?

Ohne eine Antwort abzuwarten, ſtürzte Joſeph zu dem Tiſch hin, nahm eins der Papiere auf und hob es hoch empor. Dies Papier, ſagte er heftig, enthält nur Worte, aber es ſind eben ſoviel Dolch⸗ ſtöße, welche Rußland der Freiheit und Unabhängigkeit von Deutſch⸗ land in's Herz ſtößt. Rußland macht ſich damit zum Garanten deutſcher Verfaſſungen, deutſcher Freiheit und deutſchen Rechts. Ruß⸗ (land giebt ſich das Anſehen, als wäre es berechtigt, in den Angelegen⸗ heiten Deutſchlands nicht eine vermittelnde, ſondern eine entſcheidende Stimme zu haben, und als wüßten die deutſchen Fürſten ſich gehorſam ſeiner Entſcheidung unterwerfen. Wahrlich, Ludwig der Vierzehnte hat niemals ſtolzer und anmaßender Deutſchland gegenüber geſprochen als es