122 ich mir nicht mehr den Tod! Ich habe ihn mift, oft eerfleht, als den Befreier von all dieſen Feſſeln, welche meine Bruſt zerdwitken, jetzt aber flehe ich zu Gott, daß er mir das Leben läßk, ſo lange noch läßt, bis ich frei bin, bis ich mein Schwert ziehen und mich rächen kann an denen, die mich beleidigten! Wenn ich ihn aber alsdann endlich errungen habe dieſen Lorbeer, nach dem ſich mein Herz ſehnt, wenn ich die Schmach und Lüächerlichkeit dieſer Tage auslöſche, und mit den Siegesfanfaren einer großen Schlacht das elende Geklimper dieſes Zwetſchkenrummels begraben habe, dann, mein Gott, dann bin ich's zufrieden, zu ſterben und auszuruhen von dieſem großen Kampf mit den Verhältniſſen, in denen ich bis jetzt immer noch der Unter⸗ liegende geweſen! Dann,— aber nein, unterbrach ſich der Kaiſer, nein, keine Klagen mehr. Alles dies iſt unnütz, und es iſt jetzt keine Zeit mehr zu melancholiſchen Betrachtungen! Es muß gehandelt werden, Lacy und Loudon müſſen ſogleich hier ſein, und dann—
Eben öffnete der Adjutant die Thür und meldete die Feldmarſchälle Lacy und Loudon.— Der Kaiſer ging ihnen lebhaft entgegen, und reichte ihnen ſeine beiden Hände dar.
Depeſchen aus Wien, meine Herrn Feldmarſchälle, ſagte Joſeph, mit der erhobenen Hand auf die Papiere deutend, die auf dem Tiſch am Fenſter lagen. Ich habe ſie geleſen, und bitte, daß auch Sie Beide Kenntniß davon nehmen. Leſen Sie, meine Freunde, leſen Sie!
Die beiden Herren traten zu dem Tiſch, und während ſie alsdann die Papiere laſen, ging der Kaiſer mit haſtigen Schritten, ſein Antlitz zuckend von innerer Bewegung, auf und ab.
Haben Sie geleſen, Loudon?
Ja, Sire, ich habe geleſen.
Und auch Sie, Lacy?
Auch ich, Majeſtät!
Nun denn, ſo bitte ich die Herren, mir Ihre Meinung zu ſagen. Was iſt zu thun?
Zu ſchweigen, und ſich zu unterwerfen, ſagte Loudon mit einem tiefen Seufzer.
Die Waffen niederzulegen, und ruhig abzuwarten, was die Herren Geſandten aller Mächte in Teſchen zu Stande bringen werden!
Ja, ja, Ihr habt Recht, ſagte Joſeph mit einem ſpöttiſchen Lachen,


