Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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Sire, ich fürchte, er muß auf immer auf ſie verzichten, ſagte Thugut lächelnd, vorausgeſetzt, daß Ew. Majeſtät mir gnädigſt ge⸗ ſtatten wollen, Ihr ſchmeichelhaftes Wort auf mich zu beziehen und mich für den böſen Feind gelten zu laſſen.

Und Sie finden das ſchmeichelhaft? fragte Friedrich lächelnd.

Ja, Sire, denn der böſe Feind oder der Teufel iſt ein gar großer und mächtiger Herr, und ich, der leider nicht das Glück hat an Gott zu glauben, ich glaube an den Teufel.

So? Und weshalb glauben Sie an den Teufel und nicht an Gott?

Weil ich dem Teufel überall begegnet bin und überall in jeder Stadt ſeinen Thron aufgerichtet geſehen habe, während ich die Spuren Gottes überall vergeblich geſucht habe unter den Menſchen und ſeine Throne nirgends entdecken konnte.

Für einen Abgeſandten der Kaiſerin Maria Thereſia ſind das ſehr freie Anſichten, ſagte der König lächelnd. Aber laſſen Sie hören, was bringen Sie mir? Nur muß ich Ihnen zu allererſt ſagen, daß ich nicht geſonnen bin, die alten Verhandlungen wieder anzuknüpſen. Die Kaiſerin Königin hat meine letzten Vorſchläge entſchieden abgelehnt und damit ſind ſie für immer beſeitigt. Wenn Sie alſo nichts wollen, als neue Vorſchläge machen, neue Bedingungen, unter denen Sie Baiern, oder ein Stück von Baiern gewinnen wollen, ſo ſage ich Ihnen zum Voraus: Es iſt umſonſt! Ich unterhandle nicht mehr! Oeſterreich muß ſeine Anſprüche auf Baiern fahren laſſen und Deutſch⸗ lands Geſetze heilig halten, oder es muß mit Waffengewalt erkämpfen, was wir ihm nimmer gutwillig laſſen werden.

Sire, ich komme auch nicht mit den alten Vorſchlägen, ſonderr mit einem ganz neuen Vorſchlag, den ich im Namen der Kaiſerin Königin Eurer Majeſtät vortragen ſoll. Hier ſind meine Creditive, wenn Ew. Majeſtät die Gnade haben wollen, dieſelben anzuſehen, und hier habe ich die Ehre, Ew. Majeſtät ein eigenhändiges Schreiben meiner Souverainin zu überreichen.

Und das da fragte der König, auf eine mit Bindfaden zu⸗ ſammengebundene Rolle Papier deutend, die der Baron noch in der Hand hielt.

Das da, Majeſtät, ſind meine Acten und Documente, ſämmtliche