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Draußen hatten die Soldaten ein anderes Lied angeſtimmt, und lauter und vieltauſendſtimmiger noch als zuvor ſangen ſie jetzt:
„Und wenn der große Friedrich kommt, Und klopft nur auf die Hoſen,
So flieht die ganze Reichsarmee, Panduren und Franzoſen.“
Tempi passati! ſeufzte der König, aber es flog doch ſchon wieder ein leiſes Lächeln durch ſein Antlitz hin und ſeine Augen begannen wieder zu leuchten. Er hörte dem fröhlichen, übermüthigen Lied an⸗ dächtig zu, und immer heller ward ſein Antlitz und immer ſtrahlender ſein Blick.
Eh bien, man muß die Dinge eben ſo nehmen, wie ſie kommen, ſagte er nach einer langen Pauſe faſt heiter. Kann ich nicht mehr fechten und nicht mehr Flöte blaſen, ſo kann ich doch noch ſchreiben und meine Zunge rühren. Und meine Feder und meine Zunge ſollen jetzt den Herrn Franzoſen immer noch möglichſt läſtig fallen! Mein Lobgedicht auf Voltaire iſt noch nicht ganz vollendet, ich will's heute zu Ende bringen, damit es in der Academie zu Berlin zur Gedächtniß⸗ feier des geſtorbenen Dichterkönigs vorgeleſen werden kann.*) Frei⸗ lich wird die franzöſiſche Akademie mein Franzöſiſch wieder tüchtig kritiſtren, aber wie ſoll man in Böhmen richtig Wälſch ſchreiben? Ich thue, was ich kann, aber ich weiß wohl, daß meine Arbeit nicht deſſen würdig iſt, den ſie feiern ſoll; jedenfalls benutze ich die Frei⸗ heit meiner Feder, um in Berlin das laut vortragen zu laſſen, was man in Paris ſich kaum in's Ohr zu ſagen wagt.**)
Der König zog den Tiſch näher zu ſich heran, und die Feder nehmend, begann er an dem Manuſecript zu ſchreiben, das aufgeſchlagen auf dem Tiſch vor ihm lag.
Voltaire war im Mai 1778 geſtorben, und im Lager zu Böhmen dichtete Friedrich ſeine Lobrede auf ihn, die alsdann Ende des Jahres in einer außerordentlichen Sitzung der Akademie zu Berlin vorgeleſen und darauf gedruckt ward
**) Des Königs eigene Worte. Siehe Oeuvres posthumes, Vol. 12. S. 35


