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Draußen jubelten und ſchrieen die Soldaten noch immer; all⸗ mälig läuterte ſich aber dieſes wüſte Schreien und Jubeln zu reinern Tönen, und ein vielſtimmiger Geſang ſchmetterte durch die Luft und machte die Fenſterſcheiben des Königlichen Gemachs erbeben, als ob leiſe Geiſterhände daran klopften, um den König zu erwecken aus ſeiner Trauer und ihn zurückzurufen in die Tage der Vergangenheit.
Denn es war ein Lied aus ſchönern Zeiten, was die Soldaten ſangen, und mit vollen Orgeltönen tönte es zu Friedrich herein, dieſes Lied der Erinnerung an ſeine große Zeit, und hoch auf ſeufzte der König, als ſeine Soldaten jetzt ſangen:
„Vom ſternenhellen Himmel ſah'n Schwerin und Winterfeldt— Bewundernd den gemachten Plan, Gedankenvoll den Held!
Gott aber wog bei Sternenklang Der beiden Heere Krieg;
Er wog, und Oeſtreichs Schale ſank Und Preußens Schale ſtieg.*)
Und Preußens Schale ſtieg! wiederholte Friedrich leiſe. Ich werde ſie nicht mehr ſteigen laſſen und die goldenen Tage ſind für mich vorbei! Nun, fuhr er nach einer kurzen Pauſe fort, wenn ich es nicht thue, ſo mögen es meine Nachfolger thun, mögen ſie Preußens Schale hoch emporſteigen laſſen! Ich habe gethan, was ich konnte! Wenn ich aber jetzt ſtatt vorwärts rückwärts gehen muß, ſo bin nicht ich daran Schuld, ſondern das Alter und die Gicht, und ich kann nicht wie Cicero's weiſer Lehrer Poſidonius bei einem Schmerzens⸗ anfall ausrufen:„oh Gicht, Du magſt es anſtellen, wie Du willſt, nie werde ich geſtehen, daß Du ein Uebel ſeieſt.“ Ich bemühe mich, den Schmerz zu ertragen, aber ich fühle ihn. Nun, und vielleicht iſt's gut, daß es ſo iſt, denn dieſe Schmerzen bereiten mich vor, das abgenutzte Futteral meiner Seele bald zu verlaſſen. Und ich ſage mit Mare Aurel:„man unterwerfe ſich Allem, was die ewigen Ge⸗ ſetze der Natur uns zu ertragen auferlegen, ohne Murren!***)
») Gleim, Lieder eines preußiſchen Grenadiers. *)) Des Koͤnigs eigene Worte. Siehe: Oeuvres posthumes Vol. 12. S. 47.
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