Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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loſer Ruhe mußten die Soldaten in ihrem Lager verweilen, und in dieſem Lager herrſchte Mangel an Allem, was nicht bloß zur Be⸗ quemlichkeit ſondern zur Nothdurft des Lebens gehörte. Es fehlte an Nahrungsmitteln für die Menſchen, an Fourage für die Pferde, welche ihre Reiter nicht mehr zu tragen vermochten, ſondern von ihnen mühſam fortgeführt werden mußten*). Krankheiten und Seuchen aller Art wütheten unter den Soldaten und machten die tapferſten Krieger traurig, ſtech und ſchwach wie Greiſe.

Längſt ſchon verſtummt war der fröhliche Geſang und das heitere Lachen, mißmuthig ſchlichen die Soldaten ihren täglichen Lager⸗ beſchäftigungen nach, finſter und mit heimlichen Flüchen erduldeten ſie die Qual der Entbehrungen, des Hungers und der Krankheiten, und verſtohlen richteten ſich oft ihre Blicke hinüber nach dem jenſeitigen Ufer der Elbe, wo die Oeſterreichiſchen Armeen lagerten. Da drüben herrſchte Frohſinn und Heiterkeit, oft trug der Wind die Klänge der fröhlichen Lieder, mit denen die öſterreichiſchen Soldaten ſich beluſtigten, hinüber zu den Preußen, und wenn ſie zur Mittagszeit die hohen Rauchſäulen aus dem Lager der Oeſterreicher aufwirbeln ſahen, da ward den Preußen gar ſehnſuchtsvoll und ſchmerzlich zu Sinn, und gar verbrecheriſche Gedanken von Deſertion und Flucht regten ſich in ihren zermarterten und geängſtigten Seelen.

Und nicht Alle vermochten dieſen verlockenden ſchlimmen Gedanken zu widerſtehen, das fröhliche Lied, die wirbelnden Rauchſäulen, welche ſte den langentbehrten Genuß warmer, kräftiger Fleiſchſpeiſen ahnen ließen, die Verzweiflung ihrer troſtloſen Lage, die Hoffnung, ſich den Krankheiten zu entziehen, die im preußiſchen Lager wütheten, das Alles war es, was die armen Preußen verführte! Um mehr ſchon als achttauſend Mann, die theils zu den Oeſterreichern deſertirt, theils den Krankheiten erlegen waren, hatte ſich das preußiſche Heer ſeit dem Beginn dieſes Feldzugs verringert, und doch war noch keine einzige Schlacht geſchlagen, doch hatte der Krieg ſich immer nur auf Schar⸗ mützel, kleine Vorpoſtengefechte und gegenſeitige Neckereien beſchränkt.

Wie oft hatten die preußiſchen Soldaten, zitternd vor Kampf⸗ begier, den Oeſterreichern ſo nahe geſtanden, daß der Marſch eines

)) Dohms Deukwürdigkeiten. Th. I. S. 157.

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