Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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dem er ſich nicht wieder erholen wird. Er hat nur noch einige Stunden zu leben!

Maria Thereſia, die fromme Kaiſerin, lag noch auf ihren Knieen und betete die frommen, chriſtlichen Gebete voll Liebe und Demuth, und Friede, Ruhe und Ergebung war in ihrem Herzen und leuchtete von ihrem Angeſicht. Die Meſſe war noch nicht beendigt, und kein Gedanke der edlen frommen Kaiſerin richtete ſich reuevoll auf das arme Opfer ihres kaiſerlichen Zorns, auf den beklagenswerthen Mann, der, während Maria Thereſia betete, ſeinen letzten Todesſeufzer aus⸗ hauchte*).

X. Friedrich der Groſſe.

König Friedrich verweilte immer noch in ſeinem Lager zu Wild⸗ ſchütz, und vergeblich hoffte ſeine Armee von Tag zu Tag, daß endlich dieſer Zuſtand des Harrens und der Unthätigkeit aufhören werde, daß endlich der König ſich an die Spitze ſeiner Armee ſtellen, und das erſehnte Wort:Vorwärts, dem Feind entgegen ausſprechen werde. Sehnſuchtsvoll richteten ſich an jedem Morgen die Blicke der Soldaten auf dieſes kleine graue Häuschen da drüben zu Ende des Dörfchens, in welchem der König ſein Quartier genommen, immer hoffend, den König wieder zu ſehen, nicht gebeugt, zitternd auf ſeinen Stab geſtützt, wie er ihnen immer in dieſem Krieg erſchienen war, ſondern hochaufgerichtet, mit flammenden Blicken, mit kühnem Schritt, wie er vor ihnen hergeeilt war zu den Zeiten des ſiebenjährigen Krieges.

Aber dieſe Hoffnung war immer vergeblich geweſen; in thaten⸗

*) Dieſe ganze Scene iſt hiſtoriſch. Siehe Hormayr: Oeſterreichiſcher Plutarch, Bd. 6.

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