Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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Alſo auch dann noch warten, rief Joſeph mit ſchmerzlichem Hohn. Auch dann noch verurtheilt zur Unthätigkeit, zur Geduld, zum Ausharren!

Das Ausharren und Warten iſt im Kriege die höchſte Tugend, ſagte Lacy bedächtig, und Schlachten zu vermeiden iſt oft weiſer und muthvoller, als Schlachten zu liefern. Der große Moritz von Sachſen hat geſagt:„Schlachten liefern iſt nur ein Hülfsmittel, durch welches unwiſſende Feldherrn ſich aus einer Verlegenheit ziehen; wenn ſie gar nicht wiſſen, was ſie thun ſollen, laſſen ſie es auf eine Schlacht ankommen!“ Ich bin ganz der Meinung des Marſchalls von Sachſen, obwohl ich weiß, daß Ew. Majeſtät mir darüber zürnen werden! Die größte Weisheit beſteht für uns darin, daß wir uns auf einen Vertheidigungskrieg beſchränken, und wenn wir auch nur Friedrichs Angriffe vereiteln, werden wir ſchon Großes gethan haben! Wir müſſen in dieſem Krieg nicht die Angreifenden ſein, ſondern wir werden ſicherer dadurch ſiegen, daß wir den Feind außer Stand ſetzen, uns anzugreifen, daß wir ferner durch eine ausgedehnte, wohlgeſicherte Vertheidigungslinie den feindlichen Fortſchritten überall Hinderniſſe entgegen ſetzen, ihn durch vergebliche Anſtrengungen ſeiner Kraft er⸗ matten und endlich zum feigen Rückzug zwingen. Der König von Preußen iſt es gewohnt, durch kühnen und wohlbereiteten Angriff zu ſiegen, wir wollen alſo ſeinen Angriffen einen feſten Damm ent⸗ gegenſtellen und wir haben dabei einen Bundesgenoſſen, welcher uns mehr hilft und bereitwilliger auf unſere Pläne eingeht, als der treueſte Waffengefährte es vermöchte!

Und wer iſt dieſer Bundesgenoſſe? fragte Joſeph, welcher dem Feldmarſchall mit düſterer Miene zugehört hatte.

Dieſer Bundesgenoſſe iſt das Alter, ſagte Lacy ruhig, das Alter, welches König Friedrich allſtündlich daran mahnt, daß die Zeit ſeiner Siege vorüber iſt, und daß ſeine zitternden welken Hände das Schwert nicht mehr ſchwingen und keine Lorbeeren mehr pflücken können. Der König von Preußen iſt jetzt nicht mehr ein Held, ſondern ein alter Mann. Er hat ſich in einer verſchloſſenen Kutſche zu ſeiner Armee begeben, und als er geſtern ſein Pferd beſteigen wollte, um die Truppen zu muſtern, mußte man ihn auf ſein Pferd heben, denn er war zu ſchwach zum Gehen, und deshalb nachher ſo verſtimmt, daß er ſeinen