30
Generalen die übelſte Laune zeigte, und laut dieſen Krieg und die ländergierigen Oeſterreicher verwünſchte. Ueberläufer, welche heute zu uns gekommen, haben uns davon erzählt, und ſchildern den König als einen kraftloſen, halbtodten Mann!
Und das alſo iſt das Ende eines Heldenlebens, ſagte Joſeph tief⸗ bewegt, das der Schluß eines ſchönen, großen, ehrwürdigen Daſeins! Der Held, der König, der Sieger ſo vieler Schlachten iſt jetzt nur noch ein alter Mann! das Alter hat die Flügel des ſtolzen Adlers gelähmt, und die begeiſterungsvolle Gluth ſeiner Dichterſeele gebrochen. Das Alter hat den Helden, den Weiſen, den Philoſophen und den Dichter in einen hinfälligen unwirſchen Greis verwandelt. Oh Lach, verlohnt es ſich da der Mühe zu leben, zu ringen, nach Er⸗ folgen zu ſtreben, wenn man ein ſolches Ende eines glorreichen Lebens betrachtet? Möge Gott mich bewahren vor einem ſolchen Ende, möge er mich ſterben laſſen in der Fülle meiner Kraft, inmitten meines Wirkens und Schaffens, damit ich aus dem vollen Leben in den vollen Tod gehen kann, nicht langſam hinſtechen und verblühen muß zu einer welken Greiſesblume, die ganz lautlos und von ſelbſt von ihrem Stengel fällt!— Und während der Kaiſer ſo ſprach, nahmen ſeine Mienen den Ausdruck tiefer Trauer an, und ſeine großen blauen Augen füllten ſich mit Thränen.“
Aber dies, fuhr der Kaiſer nach einer kurzen Pauſe fort, dies ſind müßige Wünſche und Betrachtungen, die ſich wenig für uns ſchicken, wie mich däucht. Ihre trübe Schilderung des großen Königs hat mich ſo melancholiſch gemacht. Aber ich hoffe, ſie wird über⸗ trieben ſein! Der König von Preußen iſt noch immer der Held und der Feldherr, der er geweſen, und ſein Feuergeiſt wird ihn vorwärts drängen, er wird dieſe Politik des Zauderns von ſich ſchütteln, wie der Löwe, aus ſeinem Schlummer erwachend, die Fliegen von ſich ſchüttelt, welche ſich in ſeine Mähne geſetzt haben, ich hoffe—
Das raſche Heranſprengen eines Reiters, der unmittelbar unter dem Fenſter anhielt, an welchem der Kaiſer ſtand, unterbrach ihn in ſeiner Rede, und mit geſpannter Aufmerſamkeit ſchaute Joſeph hin⸗ aus auf dieſen Mann, der jetzt ſich vom Pferde ſchwang. Alsdann kamen um die nächſte Ecke noch andere Reiter im vollen Galopp daher⸗ geſprengt, und mitten hineinreitend in die Soldatenhaufen, rief der Mann


